Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 30.04.2018


Exklusiv

Österreichische Start-ups leben länger

Rund 30.000 Start-ups im Silicon Valley wollen das neue Google, Facebook oder Amazon werden. Die wenigsten überleben das erste halbe Jahr. In Österreich sind nach sechs Jahren drei Viertel der Start-ups noch aktiv.

© EckeriederDas kalifornische Start-up Nanoport präsentierte der TT exklusiv das erste teilbare Tablet, bestehend aus drei Handys.



Von Stefan Eckerieder

San Francisco, Innsbruck – „Vier von zehn der führenden Unternehmen in ihrer Branche wird es in den nächsten fünf Jahren nicht mehr geben“, zitiert Jim Grubb, Manager beim Netzwerkspezialisten Cisco, beim Besuch einer österreichischen Delegation im Silicon Valley (eingeladen hat der österreichische Mobilfunker Drei) eine Analyse seines Unternehmens. Diese Umwälzung wird vorwiegend vom Silicon Valley aus gesteuert. Hier wollen mehr als 30.000 Start-ups das neue Google, Facebook oder Amazon werden. Knapp 19.000 Business-Angel-Investoren versuchen, mit Finanzspritzen die Entwicklung voranzutreiben. Doch auch Österreich braucht sich mit seiner Start-up-Szene nicht verstecken, sagen Tiroler Experten. Die TT zieht den Vergleich.

Nur zwölf Wochen dauert es im Silicon Valley im Schnitt von der Idee bis zum Prototypen. Aber ebenso schnell werden Ideen auch wieder verworfen. Fünf von 100 Start-ups gibt es bereits nach einem Jahr nicht mehr. „Nachhaltig ist das nicht“, sagt Alexander Koll, Leiter des Gründerzentrums Werkstätte Wattens. In Österreich und auch im Gründerzentrum lege man den Fokus darauf, Wertschöpfung zu generieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Das zeigen auch die Zahlen: Während Studien uneins sind, ob von den jährlich rund 45.000 Gründungen 2000 oder doch 3500 Start-ups sind, zeigen Erhebungen eine lange Überlebensdauer für Firmen mit starkem Innovations- und Wachstumspotenzial in Österreich. Laut einem Papier des Wirtschaftsministeriums leben 67 Prozent der Start-ups ohne öffentliche Förderungen nach sechs Jahren noch und 80 Prozent jener, die öffentlich gefördert werden.

Erstes teilbares Tablet

San Francisco — Das Start-up Nanoport präsentierte Medienvertretern aus Österreich im Silicon Valley den Prototyp des ersten falt- und teilbaren Tablets, bei dem drei Smartphones magnetisch miteinander verbunden werden. Großinvestor (7 Mio. Dollar) des Unternehmens ist Li Ka-shing, Chef der Hutchison-Gruppe, dem Mutterkonzern des heimischen Mobilfunkers Drei. Wann das Gerät auf den Markt kommt, ist noch offen. (ecke)

Die Rolle des Staates als Kapitalgeber ist in Österreich überproportional groß. Alleine die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) fördert Start-ups mit 62 Millionen Euro. Ein möglicher Mitgrund, warum Start-ups hierzulande länger leben, meint Koll. Ob dadurch zu lange an einer festgefahrenen Idee festgehalten wird, lässt sich aber nicht erheben.

Eine Innovation, die ebenso gut aus Österreich kommen könnte, sagt Alexander Koll von der Werkstätte Wattens.
- Eckerieder

Hingegen seien private Großinvestoren in Österreich nur schwer zu finden, sagt Koll: „Ab dem Bereich von 500.000 bis 750.000 Euro Investment gibt es in Österreich wenig.“ Für größere Vorhaben würden deshalb Start-ups des Öfteren ins Ausland abwandern. Im Silicon Valley versuchen derzeit laut der dortigen Anlaufstelle „Open Austria“ 40 österreichische Gründer ihr Glück.

Dennoch brauche sich Österreich nicht verstecken. „In zwölf Wochen von der Idee zum Prototypen geht bei uns auch“, sagt Koll. So sei das Fab Lab in Wattens mit neuesten Präzisionsgeräten wie CNC-Fräsen, 3D-Druckern oder 6-Achs-Robotern zur Produktion von Prototypen ausgestattet. Auch eine Investmentgesellschaft habe sich in der Werkstätte angesiedelt, zudem würden regelmäßig Business Angels nach erfolgversprechenden Investitionsmöglichkeiten Ausschau halten.

Ein großer Vorteil der kalifornischen Gründer-Hauptstadt sei die Konzentration innovativer Firmen, die ein „Ökosystem“ gemeinsam mit der Stanford-Universität bilden würden, erklärt Koll. Doch auch in Tirol gibt es bereits enge Kooperationen zwischen Gründern und der Wissenschaft. Aktuell sind im Gründerzentrum in Wattens 39 Unternehmen mit rund 170 Mitarbeitern angesiedelt, ein Viertel der Firmen sind Start-ups. Es gibt Kooperationen mit der Universität Innsbruck und den Fachhochschulen Kufstein und dem MCI sowie dem ebenfalls in der Werkstätte Wattens angesiedelten Fraunhofer Innovationszentrum für digitale Transformation der Industrie.

Auch das Gründerzentrum „InnCubator“ in Innsbruck der Tiroler Wirtschaftskammer und der Uni Innsbruck hat das Ziel, Start-ups zu unterstützen und Innovationen durch den Transfer von Know-how zu fördern. Im Jahr 2017 wurden dort 15 Start-ups betreut.

Drei Handys bilden ein Tablet.
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