Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.05.2018


Markt

Das Smartphone als Geldtasche

Dänen zücken an der Kassa häufig das Smartphone statt der Geldbörse, wie sich Tiroler Banker jüngst vor Ort überzeugen konnten. Vom flächendeckenden Zahlen mit dem Handy ist Österreich noch weit entfernt.

© E+Eine Banken-Delegation der Tiroler Wirtschaftskammer nahm jüngst die dänische Bankenlandschaft und besonder­s die Bezahl-App der Danske Bank etwas genauer unter die Lupe.Foto: TT



Von Max Strozzi

Kopenhagen – Wer durch die Gassen von Kopenhagen schlendert und sich ein Würstl gönnen will, erkennt rasch: Mit Cash kommt man nicht weit. Bargeld scheint in Dänemark weitgehend abgeschafft zu sein. Viele Dänen zahlen hauptsächlich papierlos und zücken an der Kassa das Smartphone statt der Geldbörs­e. Mitverantwortlich für den bargeldlosen Bezahl-Boom war die Danske Bank, Dänemarks größtes Geldhaus. 2013 hat die Bank die Bezahl-App „Mobile Pay“ für Smartphones entwickelt, wie Mobile-Pay-Chefin Jeanette Hertzum von der Danske Bank jüngst einer Tiroler Banken-Delegation der Wirtschaftskammer Tirol schilderte. Die Tiroler Banker waren nach Dänemark gereist, um solche und ähnliche Entwicklungen am Finanzsektor unter die Lupe zu nehmen.

Dänemark gilt als digitales Pionierland, die Danske Bank als Vorreiterin neuer Bezahlformen. Bei ihrem „Mobile Pay“-System wird der Zahlungsvorgang nur zwischen dem Smartphone und Kassa via Bluetooth oder NFC abgewickelt. Vor 5 Jahren als Überweisungs-App zwischen zwei Personen gestartet, zählt Mobile Pay inzwischen 4,5 Millionen Nutzer (zum Vergleich: Dänemark hat 5,7 Mio. Einwohner), bei 95.000 Händlern kann man mit der App zahlen. Im Lauf der Zeit haben sich auch Konkurrenz-Banken dem Mobile Pay angeschlossen. Sie zahlen – wie auch Händler – eine Gebühr. Für Kunden sind die Zahlungen dagegen kostenlos, erklärt Hertzum. Das tägliche Überweisungslimit liegt zwischen 5000 Dänischen Kronen (ca. 670 Euro) und 10.000 (1340 Euro).

Was Datenschützern hierzulande vermutlich die Nackenhaare aufstellen würde: Wer das System nutzen will, muss sich mit seiner Bürgerkarte identifizieren, damit ist die Smarthphone-Bezahlapp an die Sozialversicherungsnummer gekoppelt – womit sich Zahlungen jedem Bürger zuordnen lassen. Urlauber aus dem Ausland können somit nicht via Mobile Pay zahlen. Die Daten der Nutzer würden aber bei der Bank verbleiben und seien damit sicher, versichert die dänische Bankmanagerin Hertzum.

Eine Banken-Delegation der Tiroler Wirtschaftskammer nahm jüngst die dänische Bankenlandschaft und besonders die Bezahl-App der Danske Bank etwas genauer unter die Lupe.
- Strozzi

„Bargeld wurde in Dänemark offenbar stark zurückgedrängt“, sagt Tirols Bankensprecher Harald Wanke. In Österreich sei das Bezahlen mit dem Smartphone in dem Umfang wie in Dänemark noch nicht vorhanden. Den Dänen scheine es offenbar auch nicht wichtig zu sein, dass ihr­e Zahlungen via Handy-App durch die Koppelung an die Bürgerkarte nachvollziehbar sind. Wäre solch ein bankenübergreifendes Bezahlsystem via Smartphone auch in Österreich umsetzbar und sinnvoll? „Mobile Pay nach dänischem Modell ist alleine aufgrund der Verknüpfung mit der Bürgerkarte bzw. mit der Sozialversicherungsnummer derzeit nur schwer möglich“, meint Wanke. In Österreich ist noch bei 70 Prozent der alltäglichen Zahlungen Bargeld im Spiel.

2017 wurde in Dänemark mit der Mobile-Pay-App am Smartphone 235 Millionen Mal für insgesamt umgerechnet 8,7 Mrd. Euro bezahlt. Dafür plagen den dänischen Bezahl-Pionier Danske Bank andere Sorgen: Das Geldhaus ist laut Medienberichten unter Geldwäscheverdacht geraten, unter anderem soll die Familie von Russlands Präsident Putin sowie der russische Geheimdienst über die estische Danske-Zweigstelle hinterfragenswürdige Geschäfte abgewickelt haben. Die Finanzaufsicht in Kopenhagen hat bei Danske Bank „seit Jahren ein massives Versagen“ geortet.