Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.05.2018


Markt

100 Prozent „bio“ möglich, Ketten statt Imbissstände

Laut einer Studie wäre die Versorgung Österreichs mit ausschließlich heimischer Biokost möglich. Der Konsum von Fastfood ist 2017 gestiegen.

© iStock EditorialDie Österreicher konsumierten 2017 Fastfood im Wert von rund einer Mrd. Euro. Die Zahl der „klassischen Würstelbuden“ nimmt seit Jahren ab.Fotos: iStock



Wien – Würden die Österreicher weniger Fleisch essen, könnten sie rein von heimischen Bioprodukten leben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität für Bodenkultur Wien und vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau im Auftrag der Initiative „Mutter Erde“.

Pro Jahr würden die Österreicher 6816 Milliarden Kilokalorien für ihre Ernährung benötigen. Beim gegenwärtigen Ernährungsstil mit übermäßig hohem Fleischkonsum und vielen vermeidbaren Lebensmittelabfällen könnte man das Land aber nicht ausschließlich mit Biolandbau ernähren, denn dieser könne laut Berechnungen nur 6599 Milliarden Kilokalorien produzieren. Die Studie kritisiert, dass derzeit für die Produktion von Kraft-Futtermittel wie Soja oder Mais die Hälfte des heimischen Ackerlandes verwendet werde. Zudem werden jedes Jahr rund eine halbe Million Tonnen zum größten Teil gentechnisch verändertes Soja importiert. Deshalb sei eine deutliche Verringerung des Fleischkonsums und der Lebensmittelabfälle essenziell.

Durch die präsentierte Studie sei nun belegt, dass ganz Österreich biologisch ernährt werden kann, nun sei die Politik gefragt, erklärte Greenpeace-Landwirtschaftssprecher Sebastian Theissing-Matei.

Die Österreicher davon zu überzeugen dürfte allerdings nicht so einfach sein, wie eine gestern präsentierte Erhebung von Branchenradar.com zeigt. Deren Auswertung belegt, dass hierzulande immer mehr Fastfood konsumiert wird, auch wenn im Vorjahresvergleich deutlich mehr dafür zu bezahlen war. So stieg der Umsatz 2017 zwar um 5,1 Prozent auf 1,16 Mrd. Euro, allerdings waren zwei Drittel des Anstieges auf Preiserhöhungen zurückzuführen. Gewinner sind dabei einmal mehr die großen Ketten. Während der Umsatz bei McDonald’s und Co. um 6,3 Prozent auf 896 Mio. Euro anstieg, kamen „klassische“ Würstelstände im Schnitt nur auf ein Plus von 0,9 Prozent. Die Systemgastronomie mache inzwischen 77 Prozent des Fastfood-Umsatzes, „Tendenz weiter steigend“, so Branchenradar.com. Insgesamt gibt es in Österreich 1511 Imbiss-Standorte, allerdings wurden in den letzten fünf Jahren fast 200 Imbisse mehr geschlossen als eröffnet.

Imbissstände haben meist das ganze Jahr das gleiche Angebot, das koste sie Umsatz. Im Schnitt setzen sie 180.000 Euro um, während selbst kleine Standorte von Subway auf gut den fünffachen Umsatz kamen. Bei McDonald’s lag der durchschnittliche Filialumsatz 2017 bei 3,2 Millionen Euro. (APA, TT)