Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 27.05.2018


Markt

Wenn Geldroboter die Wirtschaft verunsichern

Der Hochfrequenzhandel an Börsen geht auf Kosten der Sparer und sorgt für Finanz-Crashs, sagt Autor Martin Ehrenhauser.

© dpaSymbolfoto.



Von Stefan Eckerieder

Wien – Sparer und Anleger legen ihr Geld in Aktien und Fonds an, werden dabei aber von Geldrobotern übervorteilt, erklärt Martin Ehrenhauser, ehemaliger österreichischer EU-Abgeordneter, Unternehmer und Autor, in seinem kürzlich erschienenen Buch „Die Geldroboter“. Denn die automatisierten Hochfrequenzhändler brauchen keinen Schlaf, sind an fast allen Börsen der Welt sieben Tage in der Woche 24 Stunden am Tag aktiv und besitzen zudem einen Informations- und Geldvorsprung.

Die Geldroboter kaufen und verkaufen auf Basis von Algorithmen im Millisekundenbereich Anleihen. Die weltweit größten heißen „Virtu Financial“ und „Flow Trades“. „Vergleichen könnte man sie mit Immobilienhändlern, die ohne Auftrag Wohnungen kaufen und verkaufen. Ihnen geht es nur um den kurzfristigen Gewinn, nicht um die Wohnung“, sagt Ehrenhauser im Gespräch mit der TT.

Laut der EU-Wertpapieraufsicht kommen in Europa bereits 76 Prozent der Handelsaufträge von den Geldmaschinen, sie sollen bereits für 90 Prozent des Handels verantwortlich sein.

In der Hoffnung auf einen verstärkten Handel würden die Geldroboter von den Börsen sogar unter anderem mit Gebührenbefreiung angelockt, erklärt Ehrenhauser.

„Damit wird ein Zweiklassensystem geschaffen.“ Für institutionelle Händler erhöhen sich damit die Handelskosten, erklärt der Autor, zudem würden von den Maschinen die Börsenkurse zum Nachteil gewöhnlicher Anleger verzerrt.

So wird den Geldrobotern eine große Mitverantwortung an immer häufiger vorkommenden Flash-Crash-Ereignissen gegeben, bei denen Börsenkurse innerhalb kür- zester Zeit massiv einbrechen und ebenso schnell wieder in die Höhe schnellen. Der letzte Flash Crash ereignete sich erst im Februar diesen Jahres, als die Börsen weltweit innerhalb kürzester Zeit auf Talfahrt gingen. Der US-Leitindex Dow Jones verlor 1600 Punkte, so viel wie zuvor noch nie an einem einzi-gen Tag. Profiteure davon seien die Geldroboter. Leidtragende seien neben Sparern und Anlegern auch Unternehmen und damit die gesamte Wirtschaft.

Denn die Aktienkurse der Unternehmen würden so nicht mehr den Realwert des Unternehmens widerspiegeln. Die Verunsicherung führe zudem dazu, dass Unternehmen langfristige Investitionen zunehmend scheuen.

Ehrenhauser plädiert deshalb für eine Verlangsamung des Börsenhandels, um Geldroboter auszubremsen. Eine Finanztransaktionssteuer könne die Aktivitäten der Hochfrequenzhändler beenden. Doch diese scheint in der politischen Diskussion in weite Ferne gerückt zu sein.