Letztes Update am Mi, 30.05.2018 13:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mobilfunk

HoT erwägt Breitband-Tarif, wartet Auflagen für UPC-Kauf ab

Die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile hat den UPC-Kauf bei der EU-Wettbewerbsbehörde angemeldet. Hofer Telekom (HoT) will das Verfahren abwarten.

© Thomas BöhmSymbolfoto.



Wien – Der ins T-Mobile-Netz eingemietete Mobilfunkanbieter Hofer Telekom (HoT) liebäugelt mit einem mobilen Breitbandangebot für Haushalte, die Pläne liegen aber auf Eis solange die Übernahme von UPC durch T-Mobile nicht abgeschlossen ist. „Wir werden jetzt einmal dieses Verfahren abwarten, schauen was da raus kommt und dann unsere Schlüsse ziehen“, sagte HoT-Chef Michael Krammer am Mittwoch.

„Es ist nie gut, jetzt mit einem Angebot rauszugehen, wenn sich die Dinge dann dramatisch nachher ändern können“, erklärte Krammer, Gründer der hinter der Marke HoT stehenden Firma Ventocom, in einem Journalistengespräch in Wien. Eine von Ventocom beauftragte Marktbefragung habe ergeben, dass 20 Euro im Monat für unlimitiertes Breitband-Internet angemessen wären.

Die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile hat den UPC-Kauf vor knapp zwei Wochen bei der EU-Wettbewerbsbehörde angemeldet. Die Wettbewerbshüter in Brüssel untersuchen derzeit den Markt. Das Verfahren könnte mehrere Monate dauern, schätzt Krammer.

Konkurrenten auf Breitbandmarkt reduzieren sich

Aus seiner Sicht bedeutet die Übernahme, dass sich der Breitbandmarkt von vier auf drei Konkurrenten reduziert. „Das hatten wir schon mal“, erinnerte Krammer an die Orange-Übernahme durch Drei (Hutchison). „Es sind zwischen 2013 und 2015 alle Preise gestiegen“, so Krammer. Erst als die Auflagen griffen, sei das Preisniveau wieder nach unten gegangen.

„Deswegen glauben wir, dass es auch jetzt wieder, vor allem im Breitbandmarkt, Auflagen geben wird und unserer Meinung nach auch geben muss“, pochte Krammer beim UPC-Kauf auf strenge EU-Regeln für T-Mobile.

Mit der weitgehenden Roaming-Abschaffung in der EU hat sich das Nutzungsverhalten drastisch geändert – und für HoT das Verkehrsvolumen erhöht. „Das ist schon deutlich, was sich hier tatsächlich abspielt: Vier Mal so viele Minuten, doppelt so viele SMS und fast 20 Mal so viele Megabyte“, sagte Krammer.

Für Ventocom schmälere sich durch die Roamingkosten der Gewinn, unterm Strich sei dieser 2017 aber noch immer „brauchbar“ gewesen, wie Krammer sagte. Roaming zu verbieten kommt für ihn nicht infrage: „Das wäre so was von kundenunfreundlich, da denk‘ ich nicht einmal darüber nach“, so der HoT-Betreiber. Von der EU forderte Krammer, dass sie auch die Roaming-Großhandelspreise reguliert, sonst kämen die kleinen virtuellen Anbieter (MVNO) unter die Räder der großen länderübergreifenden Telekomkonzerne.

„HoT wird nie teurer“

HoT erhöht – auch für rund 300.000 Bestandskunden – dieser Tage das monatliche Datenvolumen beim Tarif „HoT fix“ von fünf auf sechs Gigabyte. Krammer erneuerte das Versprechen, dass HoT nie teurer werde. „Die 9,90 Euro sind in Stein gemeißelt“, sagte Krammer. Zuletzt habe ungefähr jeder zehnte „Hot fix“-Kunde immer wieder mal die fünf Gigabyte pro Monat aufgebraucht.

HoT hat österreichweit insgesamt rund 800.000 Kunden, in Slowenien sind es ein Jahr nach dem Start 40.000. Die komplette Ventocom-Gruppe mit allen Marken - neben HoT sind das Allianz SIM, Liwest Mobil und Rapid Mobil – beschäftigt 70 Mitarbeiter und hat rund 900.000 Kunden.

Durch die neuen Datenschutz-Regeln der EU sei sogar die Million in Reichweite. Denn es entstehe ein neuer Markt, weil viele Firmenhandy-Besitzer wegen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ein zweites privates Gerät bräuchten. Laut Kramer verbieten Unternehmen aufgrund der DSGVO vermehrt die Nutzung von Social-Media-Apps wie Facebook oder WhatsApp, weil diese auf die Kontakte zugreifen können. (APA)