Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 04.06.2018


Kryptowährung

Platzt die Bitcoin-Blase?

Als Reaktion auf den Vertrauensverlust nach der Finanzkrise 2008 erfunden, wird der Bitcoin nun selbst zum reinen Spekulationsobjekt.

© X02714(Symbolfoto)



Innsbruck – Schon seine Entstehung scheint geheimnisvoll. Der Bitcoin wird am 3. Jänner 2009 von einem gewissen Satoshi Nakamoto erfunden und in Umlauf gebracht. Wer diese Person ist oder ob sie gar keine Person, sondern ein Konsortium ist, weiß niemand genau. Es ist also nicht klar, wer die „Kryptowährung“ erfunden hat. Bekannt ist jedoch, warum sie erfunden wurde. Die Erschaffung von Bitcoin war eine Reaktion auf die Finanzkrise 2008. Finanzmärkten konnte nicht vertraut werden, es musste ein neues, demokratisches, dezentrales Finanzsystem erfunden werden.

In seinem ursprünglichen Entwurf kommt der Bitcoin nämlich – und das war eine der Hauptmotivationen für Erfinder und Anhänger – im Gegensatz zu Aktien und Währungen ohne zentrale Institution, und somit ohne Vertrauen in diese Institution, aus. Die Verrechnung erfolgt in einem Netzwerk aller Teilnehmer, ohne dass es eine Zentralbank oder andere Abrechnungsstellen benötigt. Einfach gesprochen wird jede Transaktion im Netzwerk der Teilnehmer dezentral auf vielen Rechnern abgespeichert – in der so genannten Blockchain. Diese Verschlüsselung verlangt Rechnerkapazität und das Zur-Verfügung-Stellen dieser wird dadurch entlohnt, dass diese so genannten „Miner“ Teile der Transaktionsgebühren und eine gewisse Anzahl an neu geschaffenen Bitcoins erhalten. Das Bitcoin-System ist so angelegt, dass bereits über 80 Prozent aller jemals zur Verfügung stehenden Bitcoins in dieser Form erzeugt wurden. Im Jahr 2033 soll dann die volle Anzahl von Bitcoins (knapp 21 Mio.) im Umlauf sein.

Klingt gut in der Theorie, in der Praxis wird der Bitcoin immer mehr zum Spekulationsobjekt. Der Grund ist für Experten, wie Michael Kirchler vom Institut für Finanzwissenschaft der Universität Innsbruck, einfach. „Die meisten Investoren, die Bitcoins halten, hoffen auf kurzfristige Gewinne.“ Auch die eigentlich geplante Unabhängigkeit von Börsen und Zentralbanken gebe es nicht. Es hätten sich mittlerweile viele Börsen etabliert, auf denen man ausschließlich Bitcoin oder andere „Kryptowährungen“ (es gibt an die 2000) handeln kann.

Bitcoin sei auch gar keine „Währung“, sagt der Finanzwissenschafter. Zwei der zentralen Funktionen von Währungen – Zahlungsmittel und Wertaufbewahrung – seien beim Bitcoin nicht erfüllt. Bitcoin und die meisten anderen „Krypto-Währungen“ seien noch nicht reguliert. Diese Börsen verfügen daher auch nicht über eine regulatorische Aufsicht. Für den Wissenschafter ist auch der zum Teil unprofessionelle Aufbau dieser Börsen Grund für den Absturz des Bitcoins. Dazu komme, dass einige Privatinvestoren fahrlässig mit ihren Daten umgegangen seien. „Man geht davon aus, dass bereits ca. 10 Prozent aller Bitcoins gestohlen worden sind.“ Auch die Verifizierung der Transaktionen sei zu langsam und mit 30 bis 40 Euro relativ teuer. Weitere Absurdität: Laut Berechnungen hat das System derzeit einen Stromverbrauch ähnlich dem der Republik Irland, ist also ziemlich ineffizient.

Wer kauft nun Bitcoin? Sicher nicht nur neugierige innovative Menschen. Wegen der vollständigen Anonymität gehen Finanzexperten davon aus, dass doch sehr viele Transaktionen, die mit Bitcoins finanziert werden, kriminell sind, also etwa Menschen- bzw. Waffenhandel. Es sei aber schwer, konkrete Zahlen zu finden. (ver)




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