Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 06.06.2018


Fälschungen

Kleidung, Brillen und Co.: Österreicher stehen auf Fälschungen

Am häufigsten werden gefälschte Bekleidung, Handtaschen und Sonnenbrillen gekauft.

© iStock EditorialBesonders im Urlaub wird als Mitbringsel für daheim gerne zu Plagiaten gegriffen.Symbolfoto: iStock



Wien – Die Mehrheit der Österreicher findet es zwar bedenklich, dass es Fälschungen zu kaufen gibt, und will den Geschäftszweig nicht unterstützen, kauft die Plagiate offenbar aber trotzdem. Sieben von zehn Österreichern haben laut Umfrage von Marketagent.com bereits einmal nachgemachte Produkte gekauft. Die Mehrheit (63,8 %) war mit den Plagiaten zufrieden. Besonders beliebt seien gefälschte Bekleidung (55,3 %), Handtaschen (32,2 %), Sonnenbrillen (29,6 %), Uhren (26,3 %) und Schuhe (25,7 %). Besonders im Urlaub sei die Verlockung groß.

Im Gegensatz dazu finden es 57,8 % nicht gut, dass es gefälschte Waren zu kaufen gibt. 54,7 % gaben an, diesen „Geschäftszweig“ nicht unterstützen zu wollen. 47,7 % sind überzeugt, dass die gefälschten Produkte von keiner guten Qualität sind, 39,5 %, dass Produktpiraterie schlecht für die Wirtschaft ist.

Der Kauf selbst ist in Österreich übrigens nicht strafbar. „Wenn nicht der Verdacht besteht, dass die erworbenen Plagiate zur weiteren Veräußerung aus dem Urlaub mitgebracht werden, passiert dem Reisenden bei einer etwaigen Zollkontrolle nichts“, sagte Gerhard Marosi, im Finanzministerium für die Bekämpfung der Produktpiraterie zuständig, zur APA. Man sollte sich aber im Klaren sein, dass die gefälschten Waren unter anderen Bedingungen als die Originale produziert werden: „Wir haben etwa bei Sonnenbrillen wiederholt festgestellt, dass getönte Gläser keinen UV-Schutz hatten.“ Weitere Beispiele: Gefälschte Uhren können Allergien auslösen, heißt es seitens des Ministeriums, minderwertige Autoersatzteile schwere Verletzungen oder sogar Todesfälle zur Folge haben. Laut Befragung haben 7,2 % schon einmal gefälschtes Kfz-Zubehör erstanden.

Für knapp zwei Drittel waren laut Marketagent-Erhebung die „günstigen Preise“ ausschlaggebend für den Griff zu gefälschten Produkten. 29,6 % der Ende April online befragten 502 Personen im Alter von 14 bis 69 Jahren begründeten den Kauf von Plagiaten als „nettes Mitbringsel oder Andenken“. 21,1 % greifen zur Fälschung, weil sie sich die entsprechende Marke nicht leisten können. Am häufigsten wird an Touristenorten im Ausland zur Fälscherware gegriffen. Jeder Fünfte bezieht Plagiate zumindest fallweise aus Online-Shops. „Wird so eine Sendung vom Zoll abgefangen, muss der Empfänger mit der Vernichtung der Ware rechnen“, warnte Marosi. Ein Viertel gab an, in Zukunft wieder Plagiate zu kaufen, wenn sich die Möglichkeit bietet. (APA)




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