Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 01.07.2018


Markt

Griechenland vergibt „goldene Visa“ für Immobilienkäufer

Griechenland ermöglicht es Nicht-EU-Bürgern, Immobilien zu erwerben. Dazu bekommt der Käufer auch ein europaweit gültiges Visum.

© APA (dpa/gms/Attika Reisen)Landesweit stehen in Griechenland mehr als 200.000 Immobilien zum Verkauf.



Von Ferry Batzoglou

Athen – Chinesen, Russen, Türken: Immer mehr Bürger aus Nicht-EU-Staaten kaufen Immobilien in Griechenland. Es geht ihnen dabei vor allem um eines: das „goldene Visum“. Damit kann man sich nicht nur in Hellas aufhalten, sondern innerhalb der ganzen EU frei reisen. Aber Investoren peilen auch Profite am Peloponnes an. Und die Chancen dafür stehen gut.

Wer als Bürger eines Nicht-EU-Staates mindestens 250.000 Euro in eine Immobilie in Griechenland investiert und zudem nicht vorbestraft ist, kann ein solches Visum beantragen. Das begehrte Papier ist in wenigen Wochen zugesandt. Das Visum ist für fünf Jahre gültig und wird automatisch verlängert, sofern der Ausländer seine Immobilie nicht verkauft. Auch Ehepartner und Kinder bis zum 21. Lebensjahr erhalten das Visum.

Die Griechenlandkrise hat die Immobilienpreise nach dem Allzeithoch im Jahr 2008 bis heute um durchschnittlich 45 Prozent einbrechen lassen. Wer nicht in beliebten Urlaubsorten wie Mykonos, Santorin, Rhodos oder Korfu kauft, kann in Griechenland wahre Schnäppchen finden. Landesweit stehen mehr als 200.000 Immobilien zum Verkauf. In manchen Athener Stadtvierteln werden Wohnungen schon für 15.000 Euro angeboten.

Das Programm wurde im Jahr 2013 aufgelegt. Damals erhielten erst 21 Immobilienkäufer aus Nicht-EU-Staaten „das goldene Visum“. Im Jahr 2014 waren es schon 422. Heuer sind bis zum Stichtag 8. Mai bereits 181 solcher Visa ausgestellt worden. In der nach Herkunftsländern erstellten Top-10-Rangliste der Visum-Erwerber belegen die Chinesen mit 1212 goldenen Visa unangefochten den ersten Platz. Zweithäufigstes Herkunftsland ist Russland mit 412 Visa, auf Platz drei rangiert schon die Türkei mit 260 – Tendenz stark steigend.

Laut griechischem Gesetz braucht der Käufer die Wohnung nicht selbst zu nutzen. Daher vermieten viele Ausländer ihre Immobilien über Internetportale wie Airbnb tageweise an Touristen oder Geschäftsreisende.

So gibt es Investoren aus Nicht-EU-Staaten, die auf einmal gleich Dutzende Wohnungen erwerben, sie umgehend renovieren, tageweise vermieten, später wieder verkaufen – und kurzerhand andere Immobilien kaufen. Ihr Motto lautet: „Billig kaufen, teurer verkaufen, wieder kaufen – und zwischendurch tageweise vermieten.“ Seit 2013 flossen so rund 1,5 Mrd. Euro in den griechischen Immobilienmarkt. Davon entfielen allein auf das Jahr 2017 gut 618 Mio. Euro.