Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.07.2018


Markt

Händlersterben der letzten Jahre fast gestoppt

Trotz Online-Konkurrenz ist der stationäre Handel 2017 nur leicht geschrumpft. Österreich bleibt bei Verkaufsflächen auf Rang 3 in Europa.

© iStockSeit 2007 haben in Österreich knapp 10.000 Einzelhandelsgeschäfte geschlossen. Nun hat sich der Trend deutlich verlangsamt.



Wien – Der seit 2013 anhaltende Rückgang von Geschäften im Einzelhandel hat sich im vergangenen Jahr erstmals wieder deutlich abgeschwächt. Auch der Verkaufsflächenrückgang im heimischen Einzelhandel war 2017 zumindest vorerst beendet. Die Quadratmeter-Umsätze sind im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Das sind die Ergebnisse einer gestern vorgestellten Studie der KMU Forschung Austria im Auftrag der Wirtschaftskammer (WKÖ).

Die Erhebung zeige durchaus positive Signale für den heimischen Einzelhandel, kommentierte Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Sparte Handel der WKÖ, die Ergebnisse. Die Zahl der Geschäfte sinkt zwar weiterhin, aber wesentlich geringer als in den Jahren zuvor. Insgesamt stehen den Österreichern rund 37.400 Einzelhandelsgeschäfte zur Verfügung. Im Jahr davor waren es noch 37.800, um rund ein Prozent mehr. Den dramatischen Rückgang der vergangenen Jahre verdeutlicht der Vergleich mit 2013. Damals konnten die Österreicher noch in 41.800 Geschäften shoppen. Vor zehn Jahren gab es mit 47.000 Einzelhandels-Standorten noch knapp 10.000 Einkaufsmöglichkeiten mehr als heute.

Der Rückgang der vergangenen Jahre führt Thalbauer vor allem auf die steigende Konkurrenz durch den Online-Handel zurück. Dass der Rückgang nun „nicht so dramatisch“ sei wie vorausgesagt, liege am starken und stabilen Aufschwung und der Multichannel-Strategie der heimischen Einzelhändler, also der Verbindung von On- und Offline-Handel. Rund 9000 Online-Shops würden in Österreich betrieben, 7200 Händler vertreiben ihre Waren stationär und im Internet.

Trotz Online-Konkurrenz ist der stationäre Handel 2017 nur leicht geschrumpft. Österreich bleibt bei Verkaufsflächen auf Rang 3 in Europa.
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Das sei auch ein Grund dafür, dass die Einkaufsflächen nicht geschrumpft seien. Den Österreichern steht eine Gesamtfläche von rund 14 Mio. Quadratmetern zur Verfügung. Im europäischen Vergleich liegt Österreich damit im Spitzenfeld. Auf jeden Einwohner kommen 1,56 Quadratmeter Einzelhandelsverkaufsfläche, mehr Fläche pro Kopf gibt es nur in Belgien und den Niederlanden.

Durch den Konjunkturaufschwung des letzten Jahres seien auch die Quadratmeterumsätze leicht gestiegen, was angesichts der steigenden Online-Konkurrenz durchaus erfreulich sei. Statt Filialnetz-Ausdehnung stehe vor allem Filialnetz-Optimierung im Einzelhandel am Programm, wie Ernst Gittenberger von der KMU Forschung die Studie kommentierte.

Zudem verändere sich die Struktur des heimischen Einzelhandels in den letzten Jahren konstant. Der Angebotsmix in den Innenstädten tendiere zu mehr Gastronomie und Dienstleistungen. Daneben würden Einkaufs- bzw. Fachmarktzentren und Fachmarkt-Agglomerationen (Ansammlungen von Fachmärkten an einem Ort oder in einem Gebiet) mittlerweile mehr als die Hälfte der gesamten Einzelhandelsverkaufsfläche ausmachen, erklärte Roman Schwarzenecker vom Beratungsunternehmen Standort+Markt. Österreichweit gibt es demnach 235 Einkaufs- und Fachmarktzentren und 253 Fachmarkt-Agglomerationen. (ecke)