Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 07.08.2018


Exklusiv

Tirols Hotelier-Obmann fordert härtere Gangart gegen Airbnb

Mario Gerber will über Novellierung von Tourismusgesetz oder Meldegesetz Airbnb zwingen, Gäste- und Vermieterdaten preiszugeben.

© iStock EditorialHoteliers und Pensionen müssen ihre Gäste melden. Wer seine Wohnung über Airbnb vermietet dagegen nicht, kritisiert die Hotellerie.Foto: iStoc



Von Max Strozzi

Innsbruck – Vor zehn Jahren wurde die Online-Vermietungsplattform Airbnb gegründet. Was einst als Schlafplatzbörse alternativer Couch-Touristen begann, hat sich zu einem Tourismus-Giganten entwickelt und wirbelt auch Tirols Tourismus und den heimischen Wohnungsmarkt durcheinander. Tirols Hotellerie beklagt seit Längerem eine Ungleichbehandlung und Wettbewerbsverzerrung durch Vermieter, die über Airbnb ihre Privatwohnung an Touristen vermieten und weder registriert sind, noch Steuern oder Abgaben abführen würden.

Tirols Hotellerie-Obmann Mario Gerber, seit heuer auch Landtagsabgeordneter (ÖVP), fordert eine deutlich strengere Gangart gegenüber Airbnb. Die US-Plattform müsse gezwungen werden, Daten über Gäste und Vermieter preiszugeben. „Es braucht gleiche Waffen. Wo sind wir denn, dass ein Big Player wie Airbnb keine Daten hergibt, aber jeder Tiroler Hotelier seine Gäste melden muss“, fragt sich Gerber. „Ohne Daten von Airbnb hat man auch keine Kontrolle darüber, ob Vermieter über das entsprechende Gewerbe verfügen, Steuern und Abgaben zahlen, etc.“, ärgert sich Gerber. Daher sei er auch gegen das Wiener Modell, bei dem Vermietungsplattformen die Abgaben gesammelt abführen.

Gerber kann sich vorstellen, in Tirol über das Tourismusgesetz oder das Meldegesetz Plattformen wie Airbnb dazu zu zwingen, Gäste und Vermieter zu melden. Er werde nach der Sommerpause entsprechende Gespräche führen, so Gerber. Sollte Airbnb letztlich Gäste und Vermieter anonym halten, fordert er Geldstrafen und notfalls ein Airbnb-Verbot. „Airbnb hat im Tourismus seine Berechtigung und ich bin eigentlich gegen ein Verbot. Doch entweder Airbnb gibt Daten preis, wie es auch jeder Hotelier tun muss, oder man muss die Plattform wirklich verbieten, was ich, wie gesagt, aber nicht möchte.“

Was Tirol in den vergangenen Jahren diesbezüglich unternommen hat, kann man im Wirtschaftsbericht des Landes nachlesen. In Gesprächen mit Airbnb „konnte erreicht werden, dass über den Plattformbetreiber sämtliche Gastgeber in Tirol kontaktiert und mit aktuellen Rechtsinformationen zur verpflichtenden Registrierung versorgt werden“, heißt es darin. Sprich: Airbnb muss seinen Vermietern sagen, dass es in Tirol Gesetze gibt. Mehr nicht. Daraus leitete das Land ab: „Somit kann eine gleichmäßige Erfassung und Besteuerung aller Abgabepflichtigen in weiten Bereichen sichergestellt werden.“

Aus Gerbers Sicht ist das mehr als dürftig. Als würde man darauf hinweisen, dass man auf der Autobahn 100 fahren darf, aber jeder weiß, dass niemand kontrolliert.

Zudem werde die Vermietung der Privatwohnung an Touristen für den angespannten Wohnungsmarkt zunehmend problematisch. „Das ist unfair gegenüber der Bevölkerung. In Innsbruck gibt es mindestens 1300 Airbnb-Wohnungen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass jeder die Einkünfte der Finanz meldet.“