Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.10.2018


Markt

BWB kämpft gegen unfairen Handel

Landwirte leiden unter unfairen Handelspraktiken. Bisher 24 Whistleblower-Meldungen. Fairnesskatalog soll Abhilfe schaffen.

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP).

© APALandwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP).



Wien – „Es gibt regelmäßig Beschwerden wegen unlauteren Geschäftspraktiken“, sagt Theodor Thanner, Chef der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB). Diese „unfairen“ Geschäftspraktiken seien ein sehr großes Problem für die Landwirtschaft und kleine Unternehmen. Mit einem „Fairnesskatalog für Unternehmen“, der gestern präsentiert wurde, will die BWB gemeinsam mit dem Nachhaltigkeitsministerium dem entgegenwirken.

Dabei geht es etwa um verspätete Zahlungen, kurzfristige Abbestellungen von Lieferungen, „Preisschleudern“ oder einseitige Vertragsänderungen von Einzelhändlern gegenüber Landwirten oder Lieferanten. Auf Grund der Abhängigkeit von den Handelsketten seien solche Handelspraktiken oft existenzbedrohend für die Klein- und Mittleren Unternehmen (KMU), warnt der BWB. Vor allem in Österreich sei die Situation auf Grund der Konzentration im Einzelhandel besonders schwierig. Die drei großen Lebensmittelhändler Rewe (Billa, Merkur, Penny, Adeg), Spar und Hofer haben einen Marktanteil von 84 Prozent.

Oft würden kleine Unternehmen aus Angst keine Beschwerde bei der BWB einreichen, sagte Thanner. Dabei habe der BWB seit Anfang 2018 eine Whistleblower-Website online. Die Wettbewerbshüter garantieren den Whistleblowern komplette Anonymität. Bisher habe es darauf 24 Meldungen gegeben.

Der 34-seitige „Fairnesskatalog“ der Wettbewerbshüter soll den heimischen Unternehmen als unverbindlicher Leitfaden dienen. Die Wettbewerbshüter haben darin eine Vielzahl von unfairen Geschäftspraktiken aufgelistet. Die Händler seien eingebunden gewesen.

Österreich sieht sich damit, laut Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), in einer Vorreiterrolle. Denn auch EU-weit wurde das Problem erkannt. Sie hofft auf eine EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken noch während der österreichischen Ratspräsidentschaft. „Laut der EU-Kommission beläuft sich der Schaden durch die Marktkonzentration und unlauteren Geschäftspraktiken jährlich auf 10 Mrd. Euro“, sagt Köstinger. (ecke)