Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.11.2018


Markt

Getrübte Stimmung im Tourismus

Beschäftigte im Tourismus haben laut Arbeitsklima Index oft zu viel Stress, Hoteliervereinigung sieht darin einen Handlungsauftrag.

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Wien – Verglichen mit anderen Branchen setzen den Beschäftigten im Tourismus vor allem hohe körperliche Belastungen und Stress zu. Das ist ein Ergebnis des Arbeitsklima Index Tourismus. Das Meinungsforschungsinstitut IFES hat für die Arbeiterkammer und die Gewerkschaft vida auch heuer die Daten ausgewertet und analysiert. In beiden Kategorien sind die Werte wieder nach oben geklettert.

„Dieser Anstieg muss in allen Betrieben die Alarmglocken schrillen lassen. Es bedeutet nämlich, dass die Arbeitnehmer weit über dem Limit arbeiten“, sagt Bernd Tusch, Vorsitzender des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft vida. Die körperlich sehr anstrengende Arbeit brauche Ruhephasen und Entspannung. „Kaum eine andere Branche wie der Tourismus hat jetzt bereits eine so hohe Zahl an gesundheitsschädlichen Beeinflussungen, mit der per Gesetz verordneten Kürzung der Ruhezeiten bei geteilten Diensten kommt noch eine weitere hinzu“, ist der Gewerkschafter überzeugt.

In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Touristen um über 40 Prozent auf 43 Millionen gewachsen, die Zahl der Nächtigungen liegt mittlerweile jenseits der 144 Millionen, ein Plus von über 20 Prozent gegenüber 2006. Während jährlich neue Rekorde aufgestellt werden, hält sich die Begeisterung bei den Beschäftigten im Hotel- und Gastgewerbe in Grenzen. Nach einem Zwischenhoch im vergangenen Jahr ist die Jobzufriedenheit 2018 erneut gesunken. Michaela Reiterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), sieht die Ergebnisse als Handlungsauftrag. Das Thema Mitarbeiter habe höchste Priorität. So seien etwa Seminare zur Mitarbeiterführung laufend ausgebucht. Reitterer betont auch, dass die Gehälter der Mitarbeiter steigen, die Einnahmen der Hotels jedoch sinken. (ver)




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