Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 22.01.2019


Davos

Weltwirtschaftsforum: „Rezession steht nicht vor der Tür“

Heute beginnt das WEF-Treffen der internationalen Finanzelite. Es ist weniger hochkarätig besetzt als zuletzt.

Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds IWF, warnt vor dem prognostizierten Risiko eines Wachstumsrückgangs.

© AFPChristine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds IWF, warnt vor dem prognostizierten Risiko eines Wachstumsrückgangs.



Davos – Handelskonflikte, Brexit und nun auch noch ein langsameres Wachstum des wichtigen Marktes China: Die Aussichten für die globale Wirtschaft sind so schlecht wie seit Langem nicht mehr. 2019 werde die weltweite Wirtschaftsleistung nur noch um 3,5 Prozent steigen, heißt es in der Fortschreibung des Weltwirtschaftsberichtes des Internationalen Währungsfonds (IWF). Diese wurde gestern vor Beginn der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) im schweizerischen Davos vorgestellt. Die neue IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath rief mit Nachdruck dazu auf, die Unsicherheit rund um den Brexit zu lösen. „Ein ,No Deal‘-Brexit ist eines der größten Risiken für unsere Vorhersage.“

Noch im Oktober hatte der IWF für beide Jahre 3,7 Prozent vorhergesagt. „Eine globale Rezession steht sicher noch nicht vor der Tür“, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde bei der Vorstellung des Berichts. „Aber das Risiko eines stärkeren Rückgangs des weltweiten Wachstums ist sicherlich gestiegen.“ Der IWF mahnte angesichts der Prognosen zur internationalen Zusammenarbeit. Der Spielraum der Länder für Gegenmaßnahmen im Falle eines deutlichen weltweiten Abschwungs sei geringer als vor der Finanzkrise 2008. „Multilaterale Kooperation wird daher wichtiger“, betonte der Fonds. Lagarde forderte die Staaten zudem dazu auf, ihre Schulden abzubauen. Das schaffe mehr Spielraum, um gegen künftige Krisen vorzugehen.

Das WEF-Treffen der internationalen Finanzelite findet heuer ohne Stars statt. Aus dem Kreis der sieben größten Industrienationen sind nur drei Regierungschefs vertreten, darunter die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Fehlen werde US-Präsident Donald Trump, der wegen des Haushaltsstreits in Washington seine Teilnahme abgesagt hat. Das WEF gibt sich demonstrativ gelassen: Noch immer würden die USA mehr als 800 Teilnehmer stellen, darunter Vorstandschefs der wichtigsten US-Unternehmen. Und auch nach den Absagen von Trump, Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und der britischen Premierministerin Theresa May sei die Politik mit mehr als 60 Staats- und Regierungschefs weiterhin sehr stark vertreten. ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz ist am Mittwoch und Donnerstag vor Ort. (APA, TT)

Die Sicherheitsvorkehrungen beim Weltwirtschaftsforum in Davos sind wie immer sehr hoch.
Die Sicherheitsvorkehrungen beim Weltwirtschaftsforum in Davos sind wie immer sehr hoch.
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