Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 20.01.2019


Österreich/Tirol

Spiele als Techno-Treiber: Tirol hinkt noch hinterher

Das professionelle Zocken zieht nicht nur Gamer in seinen Bann, sondern ist auch ein lukratives Geschäftsmodell. Konsolensport ist ein Milliardengeschäft.

Das Durchschnittsalter von Gamern in Österreich beträgt laut Studie 35 Jahre.

© GrießenböckDas Durchschnittsalter von Gamern in Österreich beträgt laut Studie 35 Jahre.



Von Gabriele Grießenböck

Innsbruck – Der Spiele-Markt wächst und findet in nahezu allen Altersklassen seine Abnehmer. In Österreich gibt es etwa 5 Millionen aktive Gamer. Das ergibt eine Studie des Verbands für Unterhaltungssoftware (ÖVUS). Die beliebteste Gaming-Plattform der Österreicher ist laut Studie das Smartphone, am intensivsten gespielt wird auf PC und Konsole.

Den Grund für den Erfolg von Computerspielen sieht Simon Schultze, Dozent für Medienpädagogik an der HTW Chur, im Unterhaltungserleben. „Entgegen der verbreiteten Meinung, Videospiele würden die Vereinsamung fördern, bieten Spiele einen hohen Grad an Interaktivität und fördern die soziale Interaktion.“

Der Trend geht in Richtung jener Spiel-Formate, die den User aktiv einbinden. Computerspiele der heutigen Generation, egal ob Shooter-, Strategie- oder Fantasy-Spiele, setzen verstärkt auf Teamarbeit unter Spielern. Durch Streaming-Plattformen wie Twitch ist auch der direkte Austausch mit der Community und den Fans ein wichtiger Bestandteil des Spiels. Das sei laut Schultze auch der Erfolg von eSport, dem professionellen elektronischen Sport. „Die Zuseher stehen über Streamingplattformen im direkten Kontakt mit ihren Favoriten und tauschen sich während, vor und nach den Spielen miteinander aus“, erklärt Schultze.

eSport zählt zu den global am schnellsten wachsenden Sportarten. Junge Gamer werden heute gefeiert wie Rockstars, mit Millionen Zuschauern, Fans und Followern. Das professionelle Zocken zieht nicht nur Gamer in seinen Bann, sondern ist auch ein lukratives Geschäftsmodell. Konsolensport ist ein Milliardengeschäft. Online verfolgten über 205 Millionen Zuseher die vergangene „League-of-­Legends-WM“, die in China über die Bühne ging.

In diesem spannenden Markt fristet Tirol noch ein Nischendasein. Genaue­r gesagt ist das Land im Gebirge ein weißer Fleck auf der eSport-Landkarte. Das soll sich laut Florian Wegscheider bald ändern. Sein Tiroler Start-up hat zwar noch keinen Namen, aber es eint bereits fünf engagiert­e Gründer, die den eSport in die Berge holen wollen. Warum? „Weil das Potenzial für Tiroler Firmen und Tourismusregionen riesig ist“, sagt Wegscheider. Auslastungsschwache Perioden im Tourismus sollen durch eSport-Turniere und LAN-Events belebt werden. Österreich hat mit der Gründung der eBundes­liga bereits einen Schritt in Richtung Etablierung von eSport gemacht.

Das Durchschnittsalter von Gamern in Österreich beträgt laut Studie 35 Jahr­e. Zwischen Männern und Frauen herrscht dabei fast Gleichstand.

Der Profibereich eSport zählt zu den weltweit am schnellsten wachsenden Sportarten.
Der Profibereich eSport zählt zu den weltweit am schnellsten wachsenden Sportarten.
- Grießenböck