Letztes Update am Mo, 11.02.2019 13:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konjunktur

Stimmung heimischer Unternehmen trübt sich zu Jahresbeginn ein

Österreichs Wirtschaft bleibt trotz sich abkühlender Dynamik der Weltkonjunktur bisher robust. Im Euroraum trübte sich die Wirtschaftsstimmung laut Wifo insgesamt weiter ein.

Als wichtigste Produktionshemmnisse sehen die Unternehmen einen Mangel an Arbeitskräften sowie einen Mangel an Material und Kapazität.

© Thomas BöhmAls wichtigste Produktionshemmnisse sehen die Unternehmen einen Mangel an Arbeitskräften sowie einen Mangel an Material und Kapazität.



Wien – Die Stimmung in den heimischen Unternehmen hat sich zu Jahresbeginn etwas eingetrübt. Sie schätzen die aktuelle Lage sowie die Aussichten für die kommenden Monate im Jänner weniger rosig ein als in den Vormonaten, zeigte der Wifo-Konjunkturtest am Montag. Bisher hat sich Österreichs Konjunktur aber trotz der sich international abkühlenden Dynamik robust gehalten.

Für die kommenden Monate schätzen Österreichs Unternehmen die aktuelle konjunkturelle Lage im Jänner etwas ungünstiger ein als in den Vormonaten. Der vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) erhobene Index blieb im Jänner (saisonal bereinigt) mit 17,7 Einheiten um 1,0 Punkte hinter dem Wert des Vormonats zurück, befindet sich aber weiter auf zuversichtlichem Niveau, schreiben die Experten. Auch der Index für die unternehmerischen Erwartungen sei leicht um 0,6 Punkte auf 12,1 Einheiten gefallen.

Trotz sich abkühlender Weltkonjunktur robust

Vor allem in der Industrie trübten sich die Erwartungen laut Wifo-Erhebung im Jänner weiter ein und liegen nur mehr knapp im zuversichtlichen Bereich. Als wichtigste Produktionshemmnisse nannten die Unternehmen einen Mangel an Arbeitskräften sowie einen Mangel an Material und Kapazität. Mit 86 Prozent war die gemeldete Kapazitätsauslastung weiter sehr hoch. In der Bauwirtschaft sei der Erwartungsindex ebenfalls etwas zurückgegangen, jedoch von einem hohen Niveau aus. In der Dienstleistungsbranche habe das entsprechende Barometer dagegen etwas angezogen.

Bisher hielt sich die österreichische Wirtschaft aber trotz der sich abkühlenden Weltkonjunktur robust, so die Wifo-Experten. Im vierten Quartal 2018 ist das reale Wirtschaftswachstum gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent gestiegen. Die Dynamik blieb damit im Quartalsvergleich konstant - bereits im dritten Quartal lag das Wachstum bei 0,4 Prozent - schwächte sich jedoch zum ersten Halbjahr 2018 ab.

Gemischtes Bild im Euroraum

In China wurden dagegen bereits die ersten negativen realen Effekte des Handelsstreits mit den USA sichtbar, während in den USA der Verwaltungsstillstand vor allem die Stimmung der für die US-Wirtschaft wichtigen privaten Konsumenten gedämpft hat. Auch im Euroraum trübte sich die Wirtschaftsstimmung laut den Wifo-Experten insgesamt weiter ein.

In den einzelnen Ländern des Währungsraums ergibt sich dagegen ein gemischtes Bild. So verschlechterte sich das Sentiment in Deutschland und auch in Italien, wo die Wirtschaft im vierten Quartal bereits das zweite Jahresviertel in Folge geschrumpft ist. Dagegen nahm das Wirtschaftsvertrauen in Frankreich und in Spanien etwas zu. In beiden Ländern gab es im vierten Quartal 2018 laut Wifo-Angaben ein Wirtschaftswachstum zu sehen, wobei Frankreich mit 0,3 Prozent zum Vorquartal hinter Österreich zurückbleibt, während Spanien mit plus 0,7 Prozent stärker wuchs als Österreich.

Aktive Ansiedelungspolitikt

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) wertete die gute Entwicklung der österreichischen Wirtschaft im EU-Vergleich positiv. „Unsere Wirtschaft entwickelt sich aktuell besser als in anderen Ländern der EU, diese Entwicklung müssen wir verstärken und attraktive Rahmenbedingungen für die Wirtschaft ermöglichen. Um dem verhaltenen globalen Abschwung entgegenzuwirken, setzen wir auf eine aktive Ansiedelungspolitik internationaler Unternehmen nach Österreich und Unterstützung unserer Exportwirtschaft im Ausland“, kommentierte Schramböck die Wifo-Prognosen.

Sie weist aber auch auf die Abhängigkeit der heimischen Wirtschaft von internationalen Tendenzen sowie die Bedeutung stabiler Handelsbeziehungen hin: „Jeder zweite Arbeitsplatz in Österreich entsteht im Export, daher können wir uns internationalen Entwicklungen nicht entziehen. Es braucht stabile und berechenbare Handelsbeziehungen, etwa durch eine Lösung der Zolldiskussionen zwischen den USA und der EU.“ (APA)