Letztes Update am Di, 12.02.2019 12:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lebensmitteleinzelhandel

Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln weiter ungebrochen hoch

Knapp 9 Prozent der Frischeprodukte im Lebensmitteleinzelhandel werden in Bio-Qualität gekauft. Jährlich 148 Euro gibt ein Haushalt im Durchschnitt für Bio-Frischeprodukte aus.

Fast jeder Österreicher greift mindestens einmal im Jahr zu einem biologischen Lebensmittel.

© Bio vom BergFast jeder Österreicher greift mindestens einmal im Jahr zu einem biologischen Lebensmittel.



Wien – Bio steht ungebrochen hoch in der Gunst der Konsumenten. Fast jeder Österreicher kauft zumindest einmal im Jahr Lebensmittel in Bio-Qualität ein.

Um 7,4 Prozent stieg die eingekaufte Menge gegenüber 2017, um 6,7 Prozent der Wert dieser Einkäufe. „Bio-Produkte sind ein Motor im klassischen Lebensmitteleinzelhandel“, interpretiert Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing, die aktuellen Zahlen. Der Umsatz mit Bio-Produkten konnte seit 2013 um 50 Prozent gesteigert werden. Das entspricht einem fünfmal höheren Zuwachs als bei konventionell erzeugten Lebensmitteln.

148 Euro pro Haushalt

Ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt kaufte 2018 biologische Frischeprodukte im Wert von 148 Euro im Lebensmitteleinzelzandel (LEH) ein. Fast jeder Österreicher greift mindestens einmal im Jahr zu einem biologischen Lebensmittel, die Käuferreichweite liegt bei 96,5 Prozent. Sowohl die Einkaufshäufigkeit als auch die eingekaufte Menge an Bio-Produkten stiegen dabei kontinuierlich an.

Der höchste wertmäßige Bio-Anteil im LEH entfiel 2018 auf Trinkmilch mit rund 23 Prozent, gefolgt von Eiern und Trinkjoghurt natur mit 22 Prozent, Kartoffeln (17 Prozent) und Frischgemüse (16 Prozent). Bei Obst und Butter mit elf Prozent und Käse mit zehn Prozent ist der Bio-Anteil ebenfalls zweistellig. Traditionell niedrig ist der Anteil bei Fleisch und Wurst mit vier bzw. drei Prozent, weil die Kosten für die Biobauern dort deutlich über der konventionellen Produktion liegen.

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Höchster Anteil weltweit

Im Vergleich zu 2017 erhöhten sich die Bioflächen um rund 17.000 Hektar auf 637.805 Hektar, die von 23.477 Bio-Betrieben bewirtschaftet wurden, teilte das Landwirtschaftsministerium vergangene Woche mit. Rund ein Viertel der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Österreich wird damit nach Bio-Kriterien bewirtschaftet. Österreich hat weltweit den höchsten Anteil an Bio-Flächen.

Markenversprechen: Natürlichkeit und Qualität

Österreich exportiert eine breite Palette an Bio-Lebensmitteln, darunter Milchprodukte, Käsespezialitäten, Schweine- und Rindfleisch. Die Nachfrage nach Wein, Säften und Ölen aus biologischer Erzeugung wächst ebenfalls. Bio-Obst, -Gemüse, -Eier und -Getreide aus Österreich werden auf der ganzen Welt verkauft. „Gerade im Bereich der Milchprodukte erwirtschaften unsere Produzenten mehr, als die Nachfrage am Heimmarkt ausmacht.

Der Export ist ein wichtiges Standbein, zumal die großen Bio-Absatzmärkte in Europa stark wachsen. So erzielen diese Produkte in Deutschland einen Umsatz von mehr als 10 Mrd. Euro, in Frankreich fast 8 Mrd. Euro“, so Barbara Köcher-Schulz, Bio-Marketing-Managerin der AMA.

Diskussion in Deutschland

Indessen ist bei unseren Nachbarn eine heftige Diskussion entbrannt. Seit der Discounter Lidl sein Bio-Sortiment auf Bioland-Qualität umgestellt hat, warnt der , Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) vor einem möglichen Preiskampf. Zwar würden die Verbraucher für das Thema Nachhaltigkeit und umweltverträgliche Produktion sensibilisiert, andererseits werde aber auch das falsche Signal gesendet, dass Bio billig sei und Lebensmittel einen beliebig senkbaren Preis hätten.

Ganz anders sieht dies der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). „Wir müssen in die Breite gehen, wenn wir das bewirken wollen, wofür wir angetreten sind“, sagt BÖLW-Vorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein. Der ökologische Landbau dürfe nicht als ein Nischenprojekt begriffen werden. Immer mehr Bauern stellten auf Ökolandbau um, da sei es positiv, wenn im Handel mehr Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln entstehe. Mit größeren Produktionsmengen sänken dann auch die Preise. Eine existenzielle Bedrohung für den klassischen Naturkosthandel sieht er nicht. (TT, APA, dpa)