Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.05.2019


Markt

Hilferuf der Skifirmen wegen China

Heimische Skiindustrie gründet China-Allianz und fordert Hilfe vom Staat. Die Chinesen würden Skifahren nach US-Plan lernen.

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Peking/Salzburg – Die heimische Skiindustrie hat sich im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking diese Woche mit einem Bittbrief an die österreichische Bundesregierung gewandt. Die Skihersteller Atomic, Fischer, Head und Blizzard und etliche mit der Branche verbundene Unternehmen wollen vom Bund ein Sonderbudget für eine neue Initiative, um vom aktuellen Wintersport-Boom in China zu profitieren.

Zwar ist der wichtigste Markt für die Skiproduzenten immer noch Europa, doch die Absätze stagnieren weltweit oder sind stark von der Schneelage abhängig. Mit einer Ausnahme: China. „Skifahren liegt in China voll im Trend“, sagte Atomic-Chef Wolfgang Mayr­hofer als Sprecher der Österreichischen Skiindustrie. „Im Land entstehen derzeit 15 bis 20 neue Skigebiete im Jahr. Die chinesische Regierung hat es sich zudem zum Ziel gemacht, 300 Millionen Bürger zum Wintersport zu bringen, dabei wird auch das Skifahren promotet.“ Laut Mayrhofer könnte China langfristig einmal zum größten Markt für die heimischen Hersteller werden.

Doch vom aktuellen Boom wollen auch Unternehmen anderer Länder profitieren. „Die Konkurrenz ist groß. Wir haben ein gutes Image, aber wir müssen es auch rüberbringen. Denn derzeit probieren es in China alle“, sagte Mayrhofer. Um wettbewerbsfähiger zu sein, haben führende Wintersport-Unternehmen in Österreich nun ihre Kräfte in einer neuen Initiative gebündelt: Arbeitstitel „Go China“.

In einem ersten Schritt wollen die Skihersteller in China 1000 Skilehrer mit österreichischen Produkten ausrüsten und ausbilden. „Die Skilehrer haben für angehende Skifahrer eine extrem wichtige Vermittlerrolle.“ Außerdem soll so früh wie möglich ein „Österreich Haus“ in einem der Austragungsorte nahe Peking errichtet werden, das vor, während und nach den Winterspielen der gesamten Branche zur Verfügung stehen soll.

„Alle diese Schritte gehören aber koordiniert und finanziert“, betonte Mayrhofer. „Dafür bräuchten wir allerdings ‚Rückenwind‘ unserer Bundesregierung und der für den Export, die Wirtschaft und die Österreich Werbung zuständigen Ministerien und Interessenvertretungen“, heißt es in dem Schreiben. Neben Geldmitteln seien auch Regierungskontakte bei chinesischen Entscheidern hilfreich.

Die E-Mail an die Bundesregierung bringe auch ein Beispiel, wozu es führen kann, wenn man in China als „erfolgreichste Skination“ nicht als solche wahrgenommen werde.

Unterzeichnet haben den Appell neben den vier Skiherstellern auch das Seilbahnunternehmen Doppelmayr, der Salzburger Spezialist für Ticketsysteme Skidata, die Österreich-Tochter des Südtiroler Beschneiungsanlagenherstellers TechnoAlpin und die Firmen Wintersteiger, Pistenbully und Sunkid. (APA)




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