Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.05.2019


Glücksspiel

Glücksspiel boomt, Casinos für Härte gegen Illegale

Die neue Casinos- und Lotterien-Generaldirektorin Bettina Glatz-Kremsner hat sich Wachstum und Neuheiten zum Ziel gesetzt.

Innsbruck ist laut Casinos-Chefin Bettina Glatz-Kremsner eine der drei meistbesuchten Spielbanken in Österreich.

© Thomas Boehm / TTInnsbruck ist laut Casinos-Chefin Bettina Glatz-Kremsner eine der drei meistbesuchten Spielbanken in Österreich.



Von Alois Vahrner

Innsbruck – Mit 1. Mai hat Glatz-Kremsner ihre Funktion als Casinos-Chefin angetreten. „Nach 29 Jahren im Unternehmen ist das natürlich schon eine Krönung meiner Karriere“, sagte die Topmanagerin bei ihrem Tirol-Besuch zur TT. Glatz-Kremsner ist nach Leo Wallner (war 40 Jahre Chef), Karl Stoss (zehn Jahre) und dem Tiroler Alexander Labak (seit Mitte 2017) die erste Chefin an der Spitze des Glücksspielkonzerns.

Ihre Funktion als stellvertretende ÖVP-Vorsitzende hat Glatz-Kremsner, die als VP-Chefverhandlerin das Thema Wirtschaft für den türkis-blauen Koalitionspakt fixiert hat, mit Ende April zurückgelegt. Ausscheiden wird sie auch als Aufsichtsrätin beim Flughafen Wien sowie bei der A1 Telekom Austria, behalten wird sie die Mandate bei der Nationalbank und als Vorsitzende bei der EVN. Glatz-Kremsner galt als Favoritin als Finanz- oder Wirtschaftsministerin, sie winkte aber ab. „Ich bin lieber eine Frau in der Wirtschaft als eine Frau aus der Wirtschaft.“

Die Casinos und die Lotterien hätten eine hohe Glaubwürdigkeit und einen guten Ruf, das gelte es „als wichtigstes Kapital in der Glücksspielbranche“ weiter zu stärken, so die Casinos-Generaldirektorin. Sie wolle den Konzern nach der Neuordnung der Eigentumsverhältnisse in „ruhiges Fahrwasser führen“. Die Republik hält noch 33,34 Prozent, die tschechische Sazka-Gruppe 38,29 Prozent und Novomatic 17,1 Prozent, dazu gibt es kleinere Anteilseigner.

Ziel sei laut Glatz-Kremsner, die Kunden noch stärker in den Mittelpunkt zu rücken und Wachstum in allen Bereichen zu erzielen. Zusammen mit ihren zwei neuen Vorstandskollegen arbeite man auch an besseren Prozessen und weiteren Innovationen. „Wir wollen öfter Ja als Nein sagen.“ Für mehr Effizienz wurde mit dem Betriebsrat ein Personal-Paket mit flexibleren Bereitschaften vereinbart.

Die Gruppe hat zwölf Casinos in Österreich (mit Innsbruck, Seefeld und Kitzbühel gleich drei in Tirol) sowie 24 Casinos in elf Ländern im Ausland. In Tirol gibt es auch fünf Winwin-Standorte. Größter Umsatzbringer ist der Lotterienbereich. Im Vorjahr stieg der Gesamtumsatz des Konzerns um fast 12 Prozent auf den neuen Höchststand von 4,5 Mrd. Euro. An die Spieler („Bei guter Konjunktur wird mehr Geld gesetzt als bei schlechterer“) wurden 3,15 Mrd. Euro ausgeschüttet, mit über 620 Mio. Euro an Steuern holte aber vor allem der Staat den Jackpot. Aber beispielsweise auch Innsbruck habe mit 2 Mio. Euro vom Casino („eines der drei umsatzstärksten in Österreich“) profitiert, so Glatz-Kremsner.

Man setze beim Glücksspiel sehr auf Verantwortung und auch Selbstbeschränkung (etwa im Online-Geschäft). Umso mehr schmerze auch den Staat und die Gesellschaft die massive Konkurrenz etwa durch Tausende illegale Automaten. Sehr zu begrüßen sei, dass der Staat noch heuer eine Verschärfung des Glücksspielgesetzes plane.

Die Casinos und Lotterien sind laut Glatz-Kremsner in vielen Bereichen Sponsor und bei sozialen Projekten tätig – so gebe man auch den Mitarbeitern bis zu fünf Tage für soziales Engagement zusätzlich frei.