Letztes Update am Mi, 05.06.2019 11:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Internethandel

Online-Boom bringt Österreich wenig: Hälfte der Umsätze fließt ins Ausland

Von 300 Mio. auf 7,5 Mrd. Euro legten die Umsätze beim Online-Shopping in Österreich zu. 56 Prozent des Geldes floss allerdings zu ausländischen Anbietern wie Amazon und Zalando.

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Wien, Salzburg, Seattle – Der Online-Handel boomt weiterhin in Österreich. Die Umsätze beim Online-Shopping legten einer Umfrage zufolge um 300 Mio. Euro (+4 Prozent) auf 7,5 Mrd. Euro zu. Der Versandhandel schrumpfte aber um 100 Mio. Euro (-14 Prozent) auf 600 Mio. Euro. 4,5 Mrd. Euro (56 Prozent der Umsätze) flossen zu ausländischen Anbietern wie Amazon, Zalando & Co, 3,6 Mrd. Euro (44 Prozent) verblieben im Inland.

Für die repräsentative Studie im Auftrag des Handelsverbandes wurden im Zeitraum Mai 2018 bis April 2019 rund 1400 Österreicher ab 15 Jahre befragt. Die Analyse der Ergebnisse erfolgte durch die KMU Forschung Austria.

„Versandhandel ist Geschichte“

„Der klassische Versandhandel ist Geschichte“, sagte Unito-Chef und Handelsverband-Vizepräsident Harald Gutschi. Zu Unito gehören Universal, Otto und Quelle. Anfang 2019 hatte Otto seinen mehrere hundert Seiten starken Hauptkatalog zum letzten Mal herausgebracht. Ab sofort gibt es nur mehr dünnere Print-Spezialkataloge. Im letzten Geschäftsjahr lag der Online-Umsatzanteil laut Gutschi bei 93 Prozent, im Mai bereits bei 96 Prozent. Der Katalog würde vor allem „bestellauslösend“ für den Online-Handel wirken. Laut Studie kaufen 58 Prozent der Österreicher im Internet ein, aber nur mehr 11 Prozent im klassischen Versandhandel. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 shoppten 46 Prozent der Österreicher online und noch 29 Prozent im klassischen Versandhandel.

Der Geschäftsführer des Handelsverbandes, Rainer Will, sieht „dringenden Handlungsbedarf“, um den Umsatzabfluss zu Online-Händlern ins Ausland einzudämmen. Aufgrund der ungleichen Bedingungen zwischen heimischen und ausländischen Anbietern sei es derzeit „ein Fass ohne Boden“. Die ehemalige ÖVP-FPÖ-Regierung hatte Anfang April im Ministerrat neue Steuern für Internet-Unternehmen auf den Weg gebracht. Die Pläne umfassten eine Abgabe auf Online-Werbeumsätze in Höhe von 5 Prozent, eine Ausdehnung der Einfuhrumsatzsteuer im Online-Handel sowie eine Haftungsklausel für Online-Vermittlungsplattformen. Für den Pakethandel für Lieferungen außerhalb der EU wollte der damalige Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) den Zollwert unter 22 Euro „ab dem ersten Cent“ besteuern, um „eine faire Basis zwischen traditionellem Handel in Österreich und dem Online-Handel“ zu schaffen.

Positiver Austausch mit neuem Finanzminister

Der Handelsverband ist zuversichtlich, dass die geplanten Vorhaben im Bereich Handel und Internet auch von der Übergangsregierung umgesetzt werden. Es habe bereits einen positiven Austausch mit dem neuen Finanzminister Eduard Müller gegeben, so der Handelsverband-Geschäftsführer.

68 Prozent bzw. rund 5,1 Millionen Österreicher und Österreicherinnen (ab 15 Jahre) kauften 2018/19 laut Umfrage im Internet-Einzelhandel bzw. im Versandhandel ein. Im Vergleich zur Vorjahresperiode waren dies um 2 Prozent mehr Personen. Die Durchschnittsausgaben stiegen um 1 Prozent auf rund 1600 Euro pro Käufer. Der Unito-Chef erwartet, dass in den nächsten zehn Jahren der Anteil der Online-Shopper in Richtung 80 Prozent geht. Mit rund 1,9 Mrd. Euro im Jahr 2018/19 entfielen die höchsten Ausgaben im Distanzhandel auf Bekleidung/Textilien, gefolgt von Elektrogeräten (1,2 Mrd. Euro) und Büchern/Schreibwaren (0,6 Mrd. Euro). Die Österreicher gaben rund 30 Prozent ihrer gesamten Ausgaben für Bücher/ Schreibwaren im Online-Handel bzw. Versandhandel aus, gefolgt von Spielwaren mit einem Online-Umsatzanteil von 29 Prozent und Sportartikel und Elektroartikel (jeweils 27 Prozent) und Bekleidung/Textilien (23 Prozent).

Rund 11 Prozent der gesamten Einzelhandelsausgaben landeten bei in- und ausländischen Internet-Einzelhandel bzw. im Versandhandel. Damit liegt Österreich auf dem Niveau der Schweiz (ebenfalls rund 11 Prozent) aber unter Deutschland (rund 13 Prozent). (APA)

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