Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 18.06.2019


Markt

Energieforschung boomt, Hoffen auf mehr Erneuerbare

Das ÖVP-FPÖ-Aus verzögert das Gesetz zum Ausbau von Solar-, Wasser- und Windenergie. Verbund-Chef Anzengruber fürchtet Untätigkeit.

In Deutschland führte die Witterung im Frühjahr zu verstärkter Strom­produktion aus Wind und Sonne. Der Kohleverbrauch sank.

© APAIn Deutschland führte die Witterung im Frühjahr zu verstärkter Strom­produktion aus Wind und Sonne. Der Kohleverbrauch sank.



Wien – Die neuesten Zahlen zur Energieforschung und zur Marktentwicklung erneuer­barer Energietechnologien sind positiv: Demnach haben Bund und Länder im vergangenen Jahr 144,1 Mio. Euro in Energieforschung investiert. Das sei eine Steigerung um 4,7 Mio. Euro bzw. 3,4 Prozent gegenüber 2017, teilte das Technologieministerium mit.

An erster Stelle lag – wie in den Jahren zuvor – der Bereich „Energieeffizienz“ mit 66,9 Mio. Euro, mit großem Abstand gefolgt von den Bereichen „Übertragung, Speicher und andere“ sowie „Erneuerbare Energie“ (also Sonnenenergie, Biomasse, Wasserkraft sowie Windenergie) mit jeweils 22,4 Mio. Euro. Knapp dahinter liegen die so genannten „Querschnittsthemen“ mit 21,9 Mio. Euro, in denen auch zahlreiche große Sektoren übergreifende Projekte der „Vorzeigeregion Energie“ des Klima- und Energiefonds erfasst wurden.

Der Ausbau der erneuerbaren Energietechnologien braucht aber noch mehr Investitionen – und zwar rasch, mahnt Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber im einem Interview mit dem Standard. Denn durch das Auseinanderbrechen der ÖVP-FPÖ-Koalitionsregierung hat sich das Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG) deutlich verzögert, demnach werde auch das Ziel, Strom ab dem Jahr 2030 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen, noch schwerer zu erreichen sein. „Es geht um 25 bis 30 Terawattstunden (TWh) Strom, die wir zusätzlich benötigen – bei rund 70 TWh, die wir derzeit in Österreich pro Jahr verbrauchen“, sagt­e Anzengruber. Man erwarte sich zusätzlich 6 bis 8 TWh aus Wasserkraft und noch um einiges mehr aus Wind und Photovoltaik. Allerdings rechn­e sich trotz des gestiegenen Strompreises derzeit kein­e der Technologien, so der Verbund-Chef.

Anzengruber ist für eine flexible Marktprämie: „Steigt der Strompreis, soll die Prämie sinken, fällt er, soll es entsprechend mehr Zuschuss geben.“ Er gehe jedoch nicht von einem fallenden Strompreis aus. „Zudem soll jede Technologie einen eigenen Topf bekommen, weil es einen Unterschied macht, ob der Strom aus Wasserkraft, Photovoltaik oder Wind kommt.“

In Deutschland gehörten die Energieträger Wind und Sonne wegen der günstigen Witterung im ersten Quartal zu den größten Gewinnern, sie legten um 26 und 15 Prozent zu. Der Verbrauch von Stein- und Braunkohle nahm um 15 beziehungsweise 16 Prozent ab, weil viel Strom aus Anlagen erneuerbarer Energieformen kam. (APA, dpa, TT)