Letztes Update am Di, 18.06.2019 14:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Einzelhandel

Erstmals seit 2012 mehr Geschäfte: Händlersterben gebremst - vorerst

Die Zahl der Geschäfte stieg 2018 um 200 auf 37.600. Die Einzelhandelsflächen wuchsen um rund 100.000 Quadratmeter.

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Wien – Das Händlersterben in Österreich hat sich vorerst eingebremst. Auch der Verkaufsflächenrückgang ist aufs Erste gestoppt. Erstmals seit 2012 ist die Zahl der Geschäfte im Einzelhandel 2018 wieder gestiegen - und zwar um 200 auf 37.600, zeigen Daten der KMU Forschung Austria. Die Verkaufsflächen erhöhten sich um 100.000 auf 13,8 Millionen Quadratmeter.

Es sei aber davon auszugehen, dass sich die Zahl der Geschäfte in den nächsten Jahren wieder reduziert – auch, weil immer mehr Geschäft ins Internet abwandere. „Wir dürfen uns nicht in Sicherheit wiegen, dass die Konzentration abgeschlossen ist. Das ist nur eine Pause“, sagte Roman Seeliger, Vize-Geschäftsführer der Bundessparte Handel.

Uhren- Schmuck- und Bekleidungshandel verlieren weiter

Den deutlichsten Anstieg an Geschäften gab es im Sportartikelhandel, wo Neueinstiege und Filialnetzerweiterungen zu einem Zuwachs der Geschäfte um 6 Prozent führten. Aber auch in der Bau- und Heimwerkerbranche (plus zwei Prozent), im Lebensmittelhandel und im Kosmetikhandel (je plus 1 Prozent) gab es im Vorjahr Neuzugänge. Die größten Rückgänge verbuchten hingegen Uhren- und Schmuckgeschäfte (minus 4 Prozent) sowie Bekleidungshändler (minus 2 Prozent).

Kaum Sprünge gab es aber bei der Flächenproduktivität, also den Umsätzen pro Quadratmeter. Preisanstiege mitgerechnet stagnierten diese sogar bei knapp über 5.000 Euro pro Quadratmeter, wobei hier Einkaufszentren mit hoher Flächenproduktivität ebenso mitgerechnet sind wie Geschäfte in kleinen Orten, die nicht einmal 2.000 Euro pro Quadratmeter verdienen.

Tourismuszonen mit Sonntagsöffnung

Entgegenwirken müsse man dem Händlersterben mit einer Belebung der Innenstädte sowie Tourismuszonen mit Sonntagsöffnung, forderte Branchenobmann Peter Buchmüller. Keine Hilfe sowohl für Beschäftigte als auch die Betriebe sei, dass die angekündigte Steuerreform aufgrund der Neuwahlen nun auf Eis liegt. Diese hätte sich positiv auf die Kaufkraft ausgewirkt und den Konsum angekurbelt, so Buchmüller.

Einmal mehr wurden auch die unterschiedlichen Bedingungen für heimische und ausländische Onlinehändler beklagt – etwa die Freigrenzen für Kleinsendungen aus Nicht-EU-Staaten. Ab 2021 gilt gemäß einer EU-Richtlinie eine Umsatzsteuerpflicht für alle Paket-Lieferungen aus Drittstaaten außerhalb der EU. Derzeit ist diese Steuer ab einem Warenwert von 22 Euro fällig, künftig schon ab dem ersten Cent. Kritisiert wurden auch die unterschiedlichen Paketpostpreise: Während ein Paket von China nach Österreich 10,03 Euro koste, müsse man umgekehrt 31,48 Euro berappen. Erneut gefordert wurde die „digitale Betriebsstätte“ zur Entrichtung der Ertragssteuern dort, wo Gewinne erwirtschaftet werden. (APA)

Strukturwandel:

Bei der verfügbaren Einzelhandelsfläche pro Einwohnerin bzw. Einwohner liegt Österreich im EU-28-Ranking mit 1,56 m2 auf Platz 3 hinter Belgien und den Niederlanden. "Dass das so ist, ist ein Indiz dafür, dass der Strukturwandel in Österreich noch nicht abgeschlossen ist", sagte Branchenobmann Ernst Gittenberger.

Im Zeitraum 2003 bis 2018 haben im Einzelhandel 10.900 Geschäfte zugesperrt, davon 10.700 Einstandortunternehmen und 200 Filialen. Die Verkaufsflächen sind in diesem Zeitraum um 2 Prozent oder 230.000 Quadratmeter gestiegen, da die Geschäfte heute im Schnitt größer sind als früher. Der Filialisierungsgrad ist seit 2003 um 9 Prozentpunkte auf 40 Prozent gestiegen.