Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 22.06.2019


Wettbewerb

Taxigewerbe: “Politisch gewolltes Kartell“

Die neuen Taxi-Preisregeln lösen heftige Kritik aus.

© E+Die neuen Taxi-Preisregeln lösen heftige Kritik aus.



Wien – Dass Taxi und Mietwagen künftig in einem Gewerbe zusammengefasst werden sollen, stößt auf Kritik der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) und von Ökonomen. Der Regulierungsökonom Klaus Gugler meinte in der Wiener Zeitung, es herrsche ein „politisch gewolltes Kartell“. Die künftige Lösung, die von ÖVP, SPÖ und FPÖ beschlossen wurde, bringe den Taxlern nicht mehr Einkommen. „Die Folge wird ein exzessiver Markteintritt sein, weil der zusätzliche Taxifahrer die Preise nicht reduziert, sie sind ja fixiert“, so der Professor an der WU Wien.

Reglementierte Gewerb­e – wie auch Apotheker und Rauchfangkehrer – hätten starre Rahmenbedingungen, die dem Wettbewerb nicht förderlich seien, warnt die BWB in der Presse. Uber hingegen hätte „neue Ideen und neue Geschäftsmodelle“ nach Öster­reich gebracht. Auch der Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), Martin Kocher, warnt. Fixe Preise für Taxi- und Mietwagenfahrten „zeugen entweder von einem fundamentalen Unverständnis, was funktionierenden Wettbewerb betrifft (...), oder von gut funktionierendem Lobbyismus auf Kosten der Konsumenten“.

In Österreich sind rund 10.000 Taxis und 9500 Mietwagen mit Fahrer unterwegs, sie setzen rund eine Milliarde Euro im Jahr um. Der Mindestverdienst beträgt 1285 Eur­o brutto – für eine Normalarbeitszeit von 12 Stunden am Tag, Nachtzuschläge gibt es keine. Die tägliche unbezahlt­e Ruhepause beträgt mindestens 45 Minuten. (APA)