Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 24.06.2019


Bezirk Schwaz

Touristiker blickten in die digitale Welt Chinas

Mit dabei war Mayrhofens Tourismusverbandsdirektor Andreas Lackner. Er hofft auf mehr österreichweite Zusammenarbeit bei der Digitalisierung.

Bei CTrip im Big-Data-Center in Shanghai werden sämtliche Tourismusdaten gesammelt und analysiert.

© LacknerBei CTrip im Big-Data-Center in Shanghai werden sämtliche Tourismusdaten gesammelt und analysiert.



Von Angela Dähling

Mayrhofen, Shanghai – In großen Teilen der Welt ist das Zahlen mit Kreditkarten selbstverständlich. Nicht so in China, wo oft fragend das kleine Kärtchen angeschaut wird. „Denn dort kennen viele keine Kreditkarten, gezahlt wird per Handy und durch Gesichtserkennung“, weiß Andreas Lackner, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mayrhofen-Hippach. Er schildert, wie beim Einchecken ins Hotel erst sein Reisepass, dann sein Gesicht gescannt und mittels Gesichtserkennung Konsumationen verbucht wurden und schließlich nur mittels e-pay oder bar bezahlt werden konnten.

Lackner war gerade auf Einladung der Außenwirtschaft Austria und der Österreich Werbung mit einigen heimischen Touristikern (u. a. aus Innsbruck und dem Ötztal) in Shanghai und erhielt dabei Einblicke in eine digitale Zukunft, die in China bereits Realität ist. Sie besuchten dabei u. a. CTrip im Big-Data-Center, wo in Echtzeit sämtliche Nächtigungsbuchungen aufgerufen werden und zum Beispiel die Marketingkommunikation passend auf die Nachfrage gesteuert wird.

Beim Check-in im Hotel wurde Lackners Gesicht gescannt.
Beim Check-in im Hotel wurde Lackners Gesicht gescannt.
- Lackner

„WeChat“ heißt die App, die bei den Chinesen praktisch alles regelt. Man bezahlt damit (oder mit Alipay) selbst an Imbissbuden. Und man erhält personifizierte Tourismus- und Verkehrsinfos. „Die Chinesen schauen auch an Fußgängerampeln auf ihr Handy-Display, denn das Handy sagt ihnen, wann die Ampel auf grün geschaltet hat und sie losgehen dürfen“, schildert Lackner. „Und wenn etwa an Feiertagswochenenden 17 Millionen Menschen in Shanghai mit dem Auto aufbrechen, wird der Verkehr überwacht und durch Handy-Mitteilungen beeinflusst“, erzählt er. So werden auch Tourismusströme gelenkt. „Man kann diesen Überwachungsstaat kritisieren. Aber ohne diesen Zentralismus und Monopolisten, die alles an Daten sammeln und bereitstellen, würden der Verkehr und die Wirtschaft in China kollabieren, wurde uns verdeutlicht“, sagt Lackner.

Der technikaffine TVB-Geschäftsführer hält es für extrem wichtig, dass der österreichische Tourismus digital am Ball bleibt und gemeinsame Sache macht. „Ich halte nichts davon, dass jeder TVB sein eigenes Süppchen in Sachen Digitalisierung kocht und viel Geld ausgibt. Wir müssen uns da in puncto Geld, Technologie und Organisierung zusammentun und nicht meinen, die Nachbarregion sei unsere Konkurrenz“, ist Lackner überzeugt. Leider sei hier noch viel Misstrauen zu bekämpfen und Überzeugungsarbeit zu leisten.

Sein TVB will mit gutem Beispiel vorangehen: „Wir teilen gerne unsere Erfahrungen, die guten wie die schlechten, und haben keine Angst, dass deshalb jemand mehr Buchungen lukriert“, sagt er. Mit der ZillertalApp, die Ende September verfügbar sein soll und derzeit als mobile Version online ist, gehen die Mayrhofner einen neuen Weg. Ob Skipass, Skikurs, Tandemflug, geführte Wanderungen, Eintritt ins Schloss Tratzberg oder in die Kristallwelten: All das und künftig immer mehr kann hier online gebucht und bezahlt werden. „Als Nutzer muss man einmal sein Profil anlegen und braucht dann nicht bei jedem Kauf wieder seine ganzen Daten eingeben“, erklärt Lackner. Bei einer Skikursbuchung etwa würden auch Benachrichtungen verschickt, wann und wo Treffpunkt ist. Von „geschlossener Servicekette“ spricht Lackner und davon, den Gast besser kennenzulernen. Sieben Prozent Systemgebühren müssen Anbieter dem TVB zahlen, wenn sie dabei sein wollen.

Lackner kann dank Digitalisierung auch immer die aktuelle Buchungs- und Auslastungslage seiner Region abrufen. „Derzeit haben wir 2,6 % mehr Auslastung als vor einem Jahr. Für die nächsten 60 Tage liegt die Auslastung bei 64,7 %“, informiert er. Durchschnittlich liege sie im Winter bei 67 % und im Sommer bei 40 %. Die gewerblichen 4-Stern-Betriebe hätten dabei eine Auslastung von 74 % (Winter) bzw. 59 % (Sommer).