Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.07.2019


Fleischindustrie

„Permanenter Wettstreit“: Fleischer in Österreich schlagen Alarm

Österreichs Fleischer sehen sich gegenüber Industriebetrieben benachteiligt und senden einen Hilfeschrei an Politik und Interessenvertretung aus.

© iStockÖsterreichs Fleischer sehen sich gegenüber Industriebetrieben benachteiligt und senden einen Hilfeschrei an Politik und Interessenvertretung aus.



Eine Gruppe von bundesweit mehr als 120 Fleischern, darunter rund 20 Fleischer aus Tirol, haben sich zur Vereinigung der „Bonusfleischer" zusammengeschlossen und schlagen nun Alarm. In einem Schreiben weisen sie auf die „äußerst angespannte Situation des Fleischerhandwerks" hin. Die Fleischereibetriebe stünden „im permanenten Wettstreit mit dem Lebensmittelhandel". Man wolle nicht jammern, betonen sie. Trotzdem sei es an der Zeit, „auf die ungemein schwierige Situation der Fleischer hinzuweisen". Den trotz zahlreicher Mehrwerte für Kunden — Qualität, Regionalität bzw. Lokalität, Vernetzung im Ort, Beratung und Service, Bonus-Kundenkarten etc. — stehe die Fleischerbranche vor „mehr oder weniger großen Problemen".

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So seien qualifizierte Mitarbeiter schwer zu finden und an den Betrieb zu binden. Einen wesentlichen Faktor dabei spielen die Löhne. „So wie alle arbeitsintensiven Handwerksbetriebe haben wir Fleischer extrem mit den überaus hohen Lohnnebenkosten zu kämpfen", kritisiert die Gruppierung. Dadurch werde der Wettbewerbsnachteil zu den Industriebetrieben verstärkt. „Wir fordern daher eine deutliche Entlastung des Produktionsfaktors menschliche Arbeit", schreiben die „Bonusfleischer". Derzeit befinden sich die Fleischer in KV-Verhandlungen, die zuletzt ins Stocken geraten sind.

Weiters fordert die Gruppierung die „aktive Wiederbelebung des Handwerkssiegels", das für das gesamte lebensmittelproduzierende Handwerk ein wichtiges Markensymbol sei. Nötig sei auch die Unterstützung der Wirtschaftskammer, der AMA und des Wirtschaftsministeriums, um bundesweit möglichst viele Fleischer zu vernetzen.

Zudem verlangt die Branche neben einer Erweiterung der Beratung durch Betriebs- und Hygienekontrolleure auch ein leichter nachvollziehbares Lebensmittelrecht: „Das Lebensmittelrecht und die dazugehörigen Vorschriften sind sehr umfangreich und komplex und für einen rechtlich weniger versierten Menschen nur schwer überschaubar." (mas)