Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.08.2019


Markt

Ein Pilz dreht krumme Dinger

Die Bananenkrankheit ist in Kolumbien angekommen und versetzt die Erzeuger dort in Aufregung. In Österreich ist von Preiserhöhung und Engpässen indes noch keine Rede.

Die Bananen in Kolumbien sind von einer Krankheit bedroht. (Symbolfoto)

© iStockphotoDie Bananen in Kolumbien sind von einer Krankheit bedroht. (Symbolfoto)



Von Theresa Mair

Innsbruck – Der Tonfall ist dramatisch. „Killerpilz bedroht Bananenexporte“ (Spiegel Online), „Bananen-Krise“ (Bild), „Kolumbiens Kampf um das Überleben der Banane“ (Die Presse) titelten Zeitungen. Kolumbien tritt in den Wettlauf gegen Tropical Race 4 (TR4) ein.

TR4 ist ein Pilz, der im Boden lebt und die Wurzeln von Bananenstauden der Sorte „Cavendish“ befällt, die Gefäß­e der Pflanzen verstopft und sie eingehen lässt. Der Pilz ist nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) in den 1990er-Jahren in Malaysia und Indonesien aufgetaucht und mittlerweile nach China, Australien und in die Philippinen vorgedrungen. Wenn TR4 erst einmal da ist, bleibt er. Bisher gibt es laut der Organisation keine Möglichkeit der Ausrottung.

Nun hat TR4 Südamerika erreicht. Die Pflanzen des fünftgrößten kolumbianischen Exporteurs sind betroffen – eine Fläche von 175 Hektar. Wenig, wenn man bedenkt, dass in dem Land auf 49.000 Hektar Bananen angebaut werden. Die Regierung hat dennoch den Notstand ausgerufen, um die Ausbreitung der Bananenkrankheit möglichst zu verhindern. Alle Anbaugebiete im betroffenen Department La Guajira würden vom Landwirtschaftsministerium kontrolliert, sechs Fincas stünden unter Quarantäne, wie auf der Homepage des Ministeriums nachzulesen ist. „Alle Container mit Bananen für den Export werden desinfiziert und ständig kontrolliert, bis sie im Hafen ankommen“, zitiert die Agentur APA Minister Andrés Valencia. Alle Arbeiter müssen sich ebenso vor und nach der Arbeit desinfizieren. Für Konsumenten bestehe indes keine Gefahr, wie das Ministerium betont: Der Pilz betrifft die Stauden, nicht die Früchte.

Die Sorgen der Kolumbianer sind durchaus nachvollziehbar. Viele Länder des globalen Südens sind auf die Banane angewiesen, sei es für den Eigenbedarf – in Ruand­a, Uganda und Kamerun beträgt laut FAO der Jahreskonsum pro Kopf z. B. mehr als 200 Kilo –, aber auch für den Export: Zehn Prozent der weltweiten Bananen-Importe stammen aus Kolumbien. So gut wie alle Bananen in den europäischen und US-amerikanischen Geschäften sind von der Sorte „Cavendish“. Nicht selten kostet ein Kilo des weitgereisten Obsts weniger als ein Kilo Äpfel.

An der Versorgung der europäischen Supermärkte wird sich auch nichts ändern, wenn es nach Spar-Sprecheri­n Nicole Berk­mann geht. Weder von Engpässen, Sortenumstellung noch von Preiserhöhunge­n könne die Rede sein. „Das wird auch noch eine Weile so bleiben“, sagt sie. Immerhin sei das Pilz-Problem längst bekannt, nur derzeit werde es „von den Medien hochgespielt“. Man dürfe nicht vergessen, dass die befallene Fläche in Kolumbien relativ klein ist. Berkman­n räumt jedoch ein, dass Erzeuge­r und Importeure „am Thema dran“ seien und „alles Mögliche ausprobieren“ würden. Bisher seie­n aber noch keine guten Alternativen zu „Cavendish“ gefunden worden. Spar importiert jährlich rund 27.000 Tonnen Bananen aus Süd- und Mittelamerika.

Experten des Deutschen Fruchthandelsverbands prophezeiten der Bild-Zeitung jedoch, dass sich Konsumenten von der Billig-Banane verabschieden müssten. Und der Deutschland-Chef der Mark­e Chiquita sprach gar vom End­e der Banane, wie wir sie kennen.




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