Letztes Update am Mi, 28.08.2019 08:33

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Einzelhandel

Online-Shopping setzt innerstädtischen Handel unter Druck

Leerstände bis zu 25 Prozent, Verkaufsflächen gehen zurück und die Abwärtsspirale dreht sich immer weiter – der Einzelhandel in den Innenstädten gerät immer mehr unter Druck.

C-Lagen wie der Andreas-Hofer-Straße droht überhautptdas Aus.

© Thomas Boehm / TTC-Lagen wie der Andreas-Hofer-Straße droht überhautptdas Aus.



Wien – Online-Shopping bringt innerstädtische Handelszonen unter Druck, vor allem in kleineren Städten und in schwächeren Lagen, so das Beratungsunternehmen RegioPlan. Leerstände steigen und erreichten mancherorts bis zu 25 Prozent oder mehr.

Auch zahlreiche andere elektronische Services bremsen laut dem Beratungsunternehmen RegioPlan die Expansionslust der stationären Händler, es sei nicht mehr notwendig etwa wegen Bankgeschäften oder Behördenwegen in die Stadt zu kommen. „Das alles spiegelt sich in den Frequenzzahlen wider und die zumeist üppigen Verkaufsflächen in den Einkaufszentren am Stadtrand tun ihr übriges“, so RegionPlan in einer Pressemitteilung.

Kleinere Städte besonders betroffen

Knapp 13 Prozent der Konsumausgaben in Österreich würden bereits online getätigt, ohne den wenig onlineaffinen Lebensmittelhandel seien es mehr als 18 Prozent. Die Verkaufsflächen gehen zurück. Die Leerstände steigen, Werte von bis zu 25 Prozent und mehr seien mancherorts durchaus keine Seltenheit mehr.

„Während wir bei den Top-Geschäftsstraßen noch kaum über längere Zeit Leerstände sehen, ist die Situation in kleineren Städten oder generell in schwächeren Handelszonen mit Leerstandsquoten von 15 Prozent oder mehr oft dramatisch. Die Abwärtsspirale dreht sich immer schneller und es besteht dringend Handlungsbedarf“ so RegioPlan-Geschäftsführer Wolfgang Richter.

Auch stärkere Handelszonen spüren den Druck

Die Verkaufsfläche geht – ausgenommen im Lebensmittel- und Drogeriehandel – laut RegioPlan seit fünf Jahren um rund zwei Prozent pro Jahr zurück. Betroffen sind davon auch nicht mehr nur B- oder C-Lagen, sondern auch die stärksten Handelszonen. Die Expansionslust der Einzelhändler sei stark zurückgegangen. Vor wenig Jahren hätten sich viele Unternehmen um die besten Standorte gestritten, im Moment expandierten nur wenige und dies vorwiegend im Diskontbereich. Viele Händler wollten auch Geschäftsflächen verkleinern oder würden Standorte schließen.

Wenn die Menschen nicht mehr kommen, um einzukaufen oder zu ihren Waren zu gelangen, würden viele dies einfach nicht mehr machen, es denn es gebe andere Gründe zu kommen. Es könnte viele solcher Gründe geben wie Gastronomie, Kultur, Neues erleben, Events, Freizeitangebote. Wer sich anpassen und positionieren könne, wird es trotz Alexa schaffen.

Koordinierte Planung fehlt häufig

Das Internet habe den Einzelhandel „entortet“, schreibt RegioPlan. Die Passantenfrequenzen in den Stadtkernen und innerstädtischen Handelszonen würden um etwa 4 bis 6 Prozent pro Jahr sinken. Nur in wenigen Fällen könnten die steigenden Touristenfrequenzen die Lücken füllen. Dazu komme, dass Stadt- und Verkehrsplaner, Baubehörden und Lokalpolitiker Fehler machten: Eine koordinierte Planung, die die Bedürfnisse der potenziellen Kunden erkenne und berücksichtige, fehle zumeist.

„Die Kunden müssen nicht mehr in die innerstädtischen Handelszonen kommen. Durch Internet und periphere Einkaufszentren haben sie längst andere Optionen“, so Richter. Planer, Politiker aber auch Geschäftsleute und Investoren müssten nun lernen, was sie den Kunden bieten können, sodass sie kommen wollen. Der Tourismus habe es vorgezeigt: „Es wird künftig darum gehen, die Menschen nicht als Umsatzspender und Steuerzahler, sondern als Gäste zu betrachten.“ (APA)