Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 24.09.2019


Wachstum

„Sechs von zehn Euro kommen vom Export“

Tirols Wirtschaft wird laut Bank Austria auch heuer etwas stärker wachsen als Gesamt-Österreich.

Bank-Austria-Vorstandsmitglied Susanne Wendler.

© (C) Eduard Aldrian;Bank-Austria-Vorstandsmitglied Susanne Wendler.



Innsbruck, Wien – Österreichs Wachstum werde sich heuer von 2,7 auf 1,4 Prozent einbremsen, jenes in Tirol von 2,8 auf 1,5 Prozent, sagt Susanne Wendler, Vorstand der Unternehmerbank der UniCredit Bank Austria, gegenüber der TT. Der Bau boome weiterhin, der Tiroler Tourismus werde den Vorjahresrekord von 50 Mio. Nächtigungen einstellen. Die Industriekonjunktur kühle heuer spürbar ab, trotzdem dürften die Tiroler Exporte heuer erstmals die Umsatz-Marke von 13 Mrd. Euro überspringen, so Wendler. Tirols wichtigste Exportmärkte seien Deutschland (28 Prozent Anteil), die Schweiz (14 Prozent) und Italien (12 Prozent). Dynamisch laufe vor allem die Pharma-Industrie und der Bereich elektrische Ausrüstungen.

Österreich sei ein extrem starkes Exportland, 60 Prozent des Wohlstands würden im Ausland erwirtschaftet. In Summe seien 60.000 österreichische Firmen im Export tätig, neben Europa und Amerika seien vor allem Asien und Afrika Wachstumsmärkte. Die UniCredit-Gruppe, die in Österreich 70 Prozent der Großunternehmen und ein Drittel der mittelgroßen als Kunden habe, sei in 90 Prozent aller Exportmärkte vertreten, sagt Wendler.

Export sei immer auch mit Unsicherheiten verbunden, weil man es oft mit unbekannten Geschäftspartnern, einer anderen Sprache und Kultur und anderem Rechtssystem zu tun habe. Vor allem das Thema Digitalisierung werde auch im Auslandsgeschäft immer wichtiger, „weil es die Geschäfte schneller, einfacher und sicherer macht“. So könnten Akkreditive, Dokumenten-Inkasso oder auch Auslandsgarantien einfacher abgewickelt werden.

Blockchain-Technologie sei in aller Munde und auch im Export vielversprechend, betont Wendler. Die UniCredit, die 1,7 Mrd. Euro in IT-Systeme investiert habe, sei Gründungsmitglied der jetzt von 13 Instituten getragenen Plattform we.trade, die Transaktionen im grenzüberschreitenden Geschäft von Klein- und Mittelbetrieben ermögliche. „Zahlungen können automatisch aktiviert werden, sobald definierte Bedingungen wie der Versand der Ware erfüllt werden.“

Eine von einer Vielzahl weiterer Innovationen seien virtuelle Konten. Hier können Firmen laut Wendler beliebig viele Unterkonten (etwa je nach Kunden oder Marktgebiet) anlegen und so leichter die Übersicht bewahren.

Ein Tiroler Kunde, mit dem man bezüglich Innovation sehr eng zusammenarbeite, sei etwa Innio Jenbacher, die weltweit 48.000 Gasmotoren in Betrieb habe. (va)