Letztes Update am Mi, 25.09.2019 09:55

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konjunktur

Wachstum fiel im zweiten Quartal auf 0,3 Prozent zurück

Das Tempo bei Investitionen, Außenwirtschaft und Industrie hat sich im zweiten Quartal weiter reduziert. BIP wuchs 2018 nur 2,4 Prozent.

Zwar soll es in den nächsten Tagen schneien, aber schon ab Donnerstag bestimmt eine Warmfront die Großwetterlage in Österreich.

© ZangerlZwar soll es in den nächsten Tagen schneien, aber schon ab Donnerstag bestimmt eine Warmfront die Großwetterlage in Österreich.



Wien – Die Konjunkturdynamik hat in Österreich an Fahrt verloren – deshalb sank das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal auf 0,3 Prozent, bestätigte das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am Mittwoch das schwächste Quartalswachstum seit Anfang 2015.Im ersten Vierteljahr betrug der Anstieg 0,5 Prozent, im vierten Quartal 0,6 Prozent, beides nun ein Zehntelprozentpunkt mehr als in der Schnellschätzung angenommen.

Der private Konsum war im Zeitraum April bis Juni abermals kräftig, während sowohl die Investitionen als auch die Außenwirtschaft an Fahrt verloren, erklärte das Institut in einer Aussendung. Ebenso habe sich die Industriekonjunktur abgeschwächt.

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„Nun deutlich flacher“

Im Jahresabstand lag das BIP im zweiten Quartal um 1,5 Prozent höher - bei der Schnellschätzung Ende Juli ging das Wifo noch von 1,7 Prozent Anstieg aus. Dagegen wurde der Jahreszuwachs des ersten Quartals von 1,5 auf 2,0 Prozent nach oben revidiert.

Mit dieser Rechnung berücksichtigt das Wifo bereits die heute von der Statistik Austria publizierten Jahreswerte für 2018 der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) sowie die Revisionen für die Jahre 2015 bis 2017. Demzufolge belief sich das BIP-Wachstum 2018 auf 2,4 Prozent und fiel damit schwächer aus als zuletzt auch Ende Juli in der Wifo-Schnellschätzung Ende Juli berechnet (plus 2,7 Prozent). In ihrer Sommerprognose von Juni war wie das Wifo auch das Institut für Höhere Studien (IHS) für 2018 noch von 2,7 Prozent Realwachstum ausgegangen; schon seit Dezember hatten beide diesen Wert in ihren Prognosen gehabt.

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Auf Basis der neuen Jahreswerte war der Konjunkturverlauf in den vergangenen drei Jahren „nun deutlich flacher“, betonte das Wifo am Mittwoch zu den neuen VGR-Daten. Die darauf aufbauend neu berechneten Quartalsverläufe würden ein durchgängig robustes Wachstum von durchschnittlich 0,6 Prozent pro Quartal zeigen, jedoch keinen stark ausgeprägten Konjunkturhöhepunkt 2017/18, den die Experten eigentlich bisher immer in ihren Daten und Modellen gehabt haben. Diese solide Grunddynamik sei im Jahresverlauf 2018 von einer langsam einsetzenden wirtschaftlichen Abkühlung abgelöst worden.

„Niedrigsten Wachstum seint Anfang 2015“

Während der Jahresauftakt 2019 mit 0,5 Prozent Quartalsplus noch recht robust gewesen sei, expandierte das BIP im zweiten Quartal mit 0,3 Prozent „nur mehr mäßig und verzeichnete das niedrigste Wachstum seit Anfang 2015“, so das Wifo. Als Wachstumsstütze erwies sich der Privatkonsum. Die Nachfrage der privaten Konsumausgaben (inkl. private Organisationen ohne Erwerbszweck) stiegen um 0,4 Prozent, der öffentliche Konsum stagnierte dagegen.

Die Investitionskonjunktur flachte sich langsam ab. Die Bruttoanlageinvestitionen (Ausrüstungen, Bauten und sonstige Anlagen) stiegen binnen Quartalsfrist um 0,5 Prozent (nach noch plus 1,0 Prozent im ersten Quartal). Die Bauinvestitionen expandierten weiterhin robust mit 0,6 Prozent, die Ausrüstungsinvestitionen legten dagegen nur noch um 0,4 Prozent zu.

Außenhandel flachte ab

Mit der Abkühlung der internationalen Konjunktur verlor laut Wifo auch der heimische Außenhandel an Fahrt. Die Exporte weiteten sich im zweiten Quartal um 0,5 Prozent aus, im ersten Quartal waren es noch 0,8 Prozent gewesen, im Jahr 2018 im Quartalsschnitt noch 1,1 Prozent. Entsprechend verlief die Dynamik der Importe auch schwächer mit plus 0,4 Prozent im zweiten Quartal, nach plus 0,6 Prozent im ersten Quartal und 2018 durchschnittlich plus 1,0 Prozent.

Ebenso flachte sich die Industriekonjunktur ab: Die Wertschöpfung in der Sachgütererzeugung stieg im zweiten Quartal um 0,3 Prozent, nach plus 1,0 Prozent im ersten Quartal und 2018 durchschnittlich plus 0,8 Prozent. Am Bau verlief die Konjunktur weiterhin robust, wenngleich sich auch hier die hohen Zuwachsraten der Wertschöpfung aus 2018 aktuell reduzierten (zweites Quartal 0,3 Prozent). Auch die Marktdienstleistungen unterstützten das BIP-Plus (plus 0,5 Prozent); in Beherbergung und Gastronomie stieg die Wertschöpfung um 0,3 Prozent, im Handel stagnierte sie. (APA)