Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.10.2019


Österreich

Erwärmung gefährdet Versorgung mit Getreide, Mais oder Kartoffeln

Österreich droht in den nächsten 40 Jahren laut AGES vor allem bei Getreide, Mais oder Kartoffeln eine Unterversorgung.

Laut AGES ist auch die Eigenversorgung mit Kartoffeln in Gefahr.

© iStockLaut AGES ist auch die Eigenversorgung mit Kartoffeln in Gefahr.



Wien – Klimawandel und der Bodenverbrauch gefährden Österreichs Ernährungssouveränität, warnt die Österreichische Hagelversicherung. Grundlage ist eine Studie der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), der zufolge bis 2080 ein durchschnittlicher Temperaturanstieg um bis zu sechs Grad zu erwarten sei. Mit diesem Anstieg verbunden sei eine Verschiebung der Regenmenge und eine teils deutliche Unterversorgung bei fast allen landwirtschaftlichen Kulturen.

Im Auftrag des Ministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus untersuchte Andreas Baumgarten von der AGES, ob eine ausreichende Eigenversorgung mit landwirtschaftlichen Produkten in Zukunft gewährleistet ist. Die alarmierenden Ergebnisse: Aufgrund der Klimaänderung geht der Ertrag in der landwirtschaftlichen Produktion zum Teil dramatisch zurück. „Für Österreich gehen wir von einem Rückgang der Erträge um bis zu 19 Prozent in den kommenden 40 Jahren aus“, so Baumgarten: „Bis 2060 droht eine Unterversorgung zum Beispiel bei Getreide, Mais oder Kartoffeln.“ Es sei davon auszugehen, dass bei den meisten derzeit bedeutenden Feldfrüchten nach 2030 keine Autarkie mehr gewährleistet werden kann.

Um die Versorgung Österreichs mit wertvollen Nahrungsmitteln zu sichern, müsse man klimafitte Böden schützen und den Bodenverbrauch reduzieren, sagte Baumgarten. „Damit könnten 75 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Produktionskapazität in Österreich gesichert werden.“ Derzeit würden täglich zwölf Hektar Agrarflächen durch Bauprojekte verloren gehen.

Der Generalsekretär der Landwirtschaftskammer Österreich, Ferdinand Lembacher, appellierte an die künftige Regierung, Sofortmaßnahmen für die Lebensmittelversorgung zu setzen. Etwa den Bodenschutz verbindlich festzuschreiben. Ähnlich Hagelversicherungs-Chef Kurt Weinberger: „Um nicht einen kollektiven Selbstmord zu begehen, müssen wir – wie in der Schweiz – die produktivsten Böden mit einem absoluten Bauverbot belegen.“ (APA)

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