Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 20.11.2019


Markt

Künstlicher Schnee macht Liftkarten deutlich teurer

Preise für Tagestickets steigen laut Verein für Konsumenteninformation im Schnitt um 3,4 Prozent. Investitionen in Beschneiungsanlagen wirken sich aus.

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© DPA/Karl-Josef HildenbrandSymbolfoto



Von Verena Langegger

Wien, Innsbruck – Die heimischen Skigebiete haben ihre Ticketpreise auch heuer wieder kräftig angehoben – im Schnitt liegen die Preiserhöhungen deutlich über der allgemeinen Inflation. „Die Skigebiete in Österreich sind die besten und komfortabelsten, das kostet Geld“, erklärt der Sprecher der österreichischen Seilbahnwirtschaft, Franz Hörl. Immerhin 754 Millionen Euro seien in Pisten, Lifte und Beschneiungen für die kommende Saison investiert worden. Eine Erwachsenen-Tageskarte kostet laut VKI heuer um 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Preise für 6-Tage-Tickets wurden sogar um 3,9 Prozent erhöht.

Der VKI hat wie jedes Jahr die Ticketpreise von mehr als 100 heimischen Skigebieten verglichen. Das teuerste Skigebiet in Österreich bleibt unangefochten Kitzbühel. In der Hauptsaison legt ein Erwachsener dort heuer 58 Euro für eine Tageskarte ab. Es folgen mit 56,50 Euro ex aequo Arlberg, Saalbach und die Schmittenhöhe. Für Hörl scheinen die Preise angemessen. „Der Preis für ein Luxushotel am Lido di Venezia ist nun einmal teurer als eine Nacht an der Adria“, sagt er. „Skifahren ist deswegen nicht weniger leistbar, es gibt ja auch kleine Skigebiete, die man sich leisten kann.“

Bei den 6-Tage-Tickets wurde die 300-Euro-Marke heuer überschritten: In Ischgl/Samnaun muss man 307,50 Euro hinblättern, in Sölden und Obergurgl-Hochgurgl jeweils 302,50 Euro. Was die Preise in die Höhe treibt, sei der massive Einsatz von Schneekanonen. Laut VKI gab es im Jahr 2007 in ganz Europa nur 3000 Schneekanonen und -lanzen, inzwischen sind es allein in Österreich knapp 30.000. „Der Wintertourismus ist ohne künstliche Beschneiung nicht mehr möglich, zumindest nicht in der derzeitigen Form“, schreibt der VKI. Das sieht auch Seilbahner Hörl so: „Beschneiungen sind die Rückversicherungen der Tourismusregionen.“ Nur mit Beschneiungsanlagen sei ein positiver Saisonverlauf gesichert. Und: Die Skigebiete seien in Österreich auch deshalb so gut ausgestattet, „weil bei uns alle Betriebe ihre Erlöse gleich wieder in Neuerungen reinvestieren“. Möglich sei das deshalb, weil die meisten Seilbahnen immer noch in den Händen von Familien lägen, nicht von Konzernen. Daher seien keine Ausschüttungen notwendig, es sei genug Geld für einen weiteren Ausbau der Gebiete vorhanden.

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Inzwischen gibt es übrigens in Österreich nur noch zehn Naturschnee-Skigebiete. Am billigsten sind die Wachtberg­lifte in Weyregg am Attersee, wo man für eine Erwachse­nentageskarte 18 Euro verlangt. Das kleine Skigebiet in Oberösterreich hat nur drei Schlepplifte und vier Pistenkilometer.

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Auch die Viehberglifte in Sandl in Oberösterreich setzen ganz auf Naturschnee und bieten die Tageskarte um 20,50 Euro an. Die Nummer drei unter den günstigen Skigebieten Österreichs hat bereits Schneekanonen: In Raggal (Vorarlberg) zahlt ein Erwachsener für einen Tag Skifahren 22,50 Euro. Einen Ausblick auf die kommende Wintersaison will Hörl – trotz der guten Schneelage – nicht geben.




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