Letztes Update am Mi, 04.12.2019 14:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wifo

Tourismus: Sommer mit Rekord-Einnahmen, Wachstum geht zurück

Mit knapp 14 Milliarde Euro von Mai bis Oktober lagen die Einnahmen um 3,1 Prozent über Vorjahreszeitraum. Die Umsatzzuwächse in Tirol fielen eher bescheiden aus.

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© Alpbachtal Seenland Tourismus /



Wien – Die Rekordzahlen bei Gästeankünften und Nächtigungen im heurigen Sommerhalbjahr haben den österreichischen Tourismusbetrieben auch einen Einnahmenrekord beschert: Die Umsätze stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,1 Prozent auf 13,98 Mrd. Euro, wie das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in einer am Mittwoch veröffentlichten Schnellschätzung schreibt.Um die Inflation bereinigt betrug der Zuwachs immerhin 1,7 Prozent – damit übertrafen die Tourismuseinnahmen sowohl nominell als auch preisbereinigt die bisherigen Höchstwerte des Sommers 2018.

Von Mai bis Oktober war die Anzahl der Gästeankünfte heuer mit 25,6 Millionen um 3,5 Prozent höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, die Übernachtungen nahmen um 2,8 Prozent zu auf 78,8 Millionen zu.

In den einzelnen Bundesländern entwickelten sich die Tourismusumsätze von Mai bis Oktober 2019 recht unterschiedlich: Am kräftigsten expandierten die Einnahmen im Sog des anhaltenden Städtetourismusbooms in Europa mit plus 6,4 Prozent in Wien. Ebenfalls weit überdurchschnittlich fiel das Umsatzwachstum in Ober- und Niederösterreich aus (plus 5,7 Prozent bzw. plus 4,5 Prozent), während die Steigerungsraten im Burgenland (plus 3,3 Prozent) und in Salzburg (plus 3,2 Prozent) den Österreich-Durchschnittswert nur knapp überstiegen. Hingegen verzeichneten Vorarlberg (plus 2,5 Prozent), die Steiermark (plus 2,2 Prozent) und Tirol (plus 1,9 Prozent) mit nominell unterdurchschnittlichen Ergebnissen auf preisbereinigter Basis nur schwache Umsatzzuwächse.

Kärnten gelang es, mit kräftigen Nächtigungszuwächsen von 11,8 Prozent im Oktober die Einbußen in den Hauptsaisonmonaten Juli und August (minus 1,5 Prozent und minus 1,0 Prozent) und die bis dahin stagnierenden Einnahmen (Mai bis September nur plus 0,1 Prozent) in ein leichtes nominelles Umsatzplus von 0,6 Prozent zu verwandeln. Preisbereinigt machten die Kärntner Touristiker heuer weniger Umsatz als 2018.

Tourismus wächst heuer und 2020 langsamer als zuletzt

Österreichs Tourismuswirtschaft wächst weiter, wird aber heuer und 2020 nicht an das Rekordwachstum anschließen können, prognostiziert die UniCredit Bank Austria in ihrem aktuellen Branchenbericht. Demnach werden die Einnahmen im Kalenderjahr 2019 real nur um ein bis zwei Prozent auf 28,1 Milliarden Euro wachsen.

„Das Branchenwachstum 2019 und voraussichtlich auf 2020 ist vor allem der hohen Konkurrenzfähigkeit des gesamten Tourismussektors in Österreich geschuldet“, sagte Bank-Austria-Ökonom Günter Wolf laut Mitteilung. „Denn das langsamere Wirtschaftswachstum in den wichtigsten Herkunftsländern bremst auch den heimischen Tourismus.“

Ein Rückgang der Tourismuseinnahmen im Jahr 2020 sei zwar unwahrscheinlich, sagen die Experten der Bank Austria - da aber auch mit einer Verlangsamung der Nachfrage von Besuchern aus Österreich zu erwarten sei, bleibe das Wachstum der Tourismuseinnahmen 2020 voraussichtlich unter dem Durchschnittsniveau der letzten zwanzig Jahre von jährlich 0,9 Prozent real.

Viel Lärm und Abgase, aber keine Einnahmen“

Die Österreichische Hoteliervereinigung hatte heute mit Verweis auf die aktuelle Tourismusanalyse des Wifo beklagt, dass die Einnahmen der Branche deutlich langsamer wachsen würden als die Nächtigungszahlen. „Das kann natürlich auf die starke Zunahme der Tagestouristen zurückzuführen sein, die viel Lärm und Abgase hinterlassen, aber keine Einnahmen“, so ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer laut Mitteilung, „oder darauf, dass die Branche verstärkt auf günstige Angebote umstellt, weil offene Stellen nicht besetzt werden können.“ Auch die nächste Regierung werde wieder eine große Steuerreform planen. „Wenn die Unternehmen sie nicht erwirtschaften, wird sich das nicht ausgehen.“

Den Tourismusexperten der Bank Austria zufolge ist es dem heimischen Tourismus langfristig gelungen, durch eine Verbesserung der Angebotsqualität und Preiserhöhungen die Nachfrage- und Einnahmenausfälle aufgrund der wachsenden Konkurrenz und kürzerer Aufenthalte zu kompensieren. Erst in den letzten Jahren habe das Einnahmenwachstum im Vergleich zu den Übernachtungen an Schwung verloren. (APA, TT.com). (APA)