Letztes Update am Mi, 06.11.2013 13:34

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Libor/Euribor

Zinsmanipulation: EU könnte Milliarden von Banken fordern

Der Skandal um die Manipulation internationaler Zinssätze war im Sommer 2012 bekannt geworden.

Unter den gesuchten Ex-Managern gehörten vier zur Deutschen Bank.

© KeystoneUnter den gesuchten Ex-Managern gehörten vier zur Deutschen Bank.



London - Die Europäische Union könnte einem Bericht zufolge ihre Ermittlungen gegen eine Gruppe internationaler Banken wegen mutmaßlicher Manipulation weltweit bedeutsamer Zinssätze im kommenden Monat gegen Milliardenzahlungen einstellen. Die Deutsche Bank, die Royal Bank of Scotland und die französische Societe Generale seien bereit für eine entsprechende Beilegung des laufenden Verfahrens, berichtete die „Financial Times“ (Mittwochsausgabe) unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen. Den Finanzkonzernen JPMorgan, HSBC und der französischen Credit Agricole hingegen widerstrebe eine solche Vereinbarung.

Wenn die EU gegen alle sechs Banken Maximalstrafen verhänge, könnten sich diese auf ein Gesamtvolumen von rund 5 Mrd. Euro belaufen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf ihre Quellen. Die tatsächlich zu zahlende Summe könne jedoch deutlich darunter liegen. Den Banken, die nicht zu einer Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflagen bereit seien, drohen demnach jedoch höhere formelle Strafen zu einem späteren Zeitpunkt als jenen Instituten, die offen für eine Einigung vorab seien.

Der Skandal um die Manipulation internationaler Zinssätze war im Sommer 2012 bekannt geworden. Von Seiten mehrerer Banken aus verschiedenen Ländern hatte es Unregelmäßigkeiten bei der Festsetzung der Referenzsätze Libor und Euribor gegeben. Auch Mitarbeiter der Deutschen Bank waren beteiligt.

Referenzzinsen manipuliert

Der Libor ist der Zinssatz, zu dem sich Banken am Finanzplatz London untereinander Geld leihen. Der Euribor ist ein Zinssatz für Geldgeschäfte in der Währung Euro. Diese Sätze werden täglich von Banken festgelegt, von ihrer Höhe sind etwa Haus- und Verbraucherkredite sowie andere Finanzprodukte abhängig. Werden diese Referenzzinsen beeinflusst, kann das höhere Kosten für Verbraucher bedeuten.

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Der Skandal wurde durch Enthüllungen über die britische Großbank Barclays bekannt. Barclays zahlte Millionensummen, um Ermittlungen von britischen und US-Behörden ein Ende zu setzen. Bei der Schweizer UBS handelte es sich um einen Milliardenbetrag. Die Royal Bank of Scotland musste eine dreistellige Millionenstrafe akzeptieren.

An den Vereinbarungen der Banken mit den nationalen Ermittlungsbehörden war die EU laut Zeitung nicht beteiligt - diese wurden unabhängig von den EU-Untersuchungen getroffen. Die EU und die betroffenen Geldinstitute wollten demnach den Bericht nicht kommentieren. (APA/AFP)