Letztes Update am Do, 30.01.2014 09:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„America first“

Schwellenländer bringen US-Notenbank nicht vom Kurs ab

Solange die Turbulenzen in den Schwellenländern die US-Wirtschaft nicht spürbar belasten, spielen sie keine große Rolle für die Fed.



Washington - „America first“ - Das Motto gilt auch für die neue US-Notenbankchefin Janet Yellen, die im Februar das Ruder von Ben Bernanke übernimmt. Die US-Wirtschaft steht im Fokus der mächtigsten Zentralbank der Welt. Solange die Turbulenzen in den Schwellenländern die heimische Wirtschaft nicht spürbar belasten, spielen sie keine große Rolle für die Entscheidungen der Währungshüter.

Das zeigte sich am Mittwochabend. Die Notenbank dreht weiter den Geldhahn zu, obwohl das die Kapitalflucht aus vielen aufstrebenden Volkswirtschaften beschleunigen dürfte.

Die Fed will im Aufschwung rechtzeitig die Geldflut eindämmen, damit an den Märkten keine Blasen entstehen wie vor der Finanzkrise. Die Zentralbank ist an ihr Mandat gebunden: Inflation bekämpfen und Vollbeschäftigung fördern. Auf Länder wie Indien oder die Türkei kann sie keine Rücksicht nehmen. „Ansonsten gerät sie in Teufels Küche“, meint Postbank-Chefökonom Marco Bargel. Erst wenn es auch für die US-Wirtschaft brenzlig wird, dürfte die Fed beim Drosseln des Konjunkturprogramms die Pausentaste drücken. „Die Turbulenzen in den Schwellenländern werden die Fed-Politik lediglich dann beeinflussen, wenn dadurch das Wachstum der Weltwirtschaft merklich geschwächt würde“, sagt Volkswirtin Ulrike Rondorf vom Bankhaus Lampe.

Der Kurs der Fed ist nicht ohne Risiken. Denn schnell kann aus der Kapitalflucht aus diesen Staaten ein Problem entstehen, das die Weltwirtschaft nach unten zieht, warnt Marktstratege John Cairns von der südafrikanischen Rand Merchant Bank: „Die Risiken sind unglaublich hoch in einer neuen und alarmierenden Phase, in der es mehr und mehr nach einer sich auswachsenden Schwellenländer-Krise aussieht.“

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Das Pendel schwingt zurück

Dabei erscheint es geradezu als Glücksfall, dass China seine Währung steuert, indem es den Wechselkurs des Yuan nur in engen Bandbreiten schwanken lässt. Den USA ist diese Praxis seit langem ein Dorn im Auge, da sie dem asiatischen Land Wettbewerbsvorteile verschafft. Doch zugleich ist China damit weitgehend abgeschirmt vor Turbulenzen, wie sie andere Mitglieder im Club der aufstrebenden Volkswirtschaften derzeit erleben: Brasilien, Indien und Südafrika stemmten sich mit Zinserhöhungen gegen den Verfall der Währung. Sie sind in Währungsturbulenzen geraten, weil Investoren ihr Geld dank steigender Renditen wieder gewinnbringender in den USA anlegen können und Kapital aus den Schwellenländern abziehen. Jahrelang hatten diese von Kapitalzuflüssen aus den USA profitiert. Jetzt schwingt das Pendel zurück. Besonders hart bekommt dies derzeit die Türkei zu spüren, die die Zinsen drastisch anheben musste.

Dennoch halten viele Experten die Fed-Politik für richtig. Denn ein Abweichen vom eingeschlagenen Kurs hätte der Fed leicht als Schwäche ausgelegt werden und zu neuen Schwankungen an den Märkten führen können. „Die Turbulenzen in Schwellenländer-Währungen sollten nicht dazu führen, dass die mächtigste Notenbank der Welt von ihrem Kernziel einer stabilen und transparenten Geldpolitik abweicht“, warnt Marktanalyst Jens Klatt von DailyFX. „Die Rückwirkungen auf die US-Konjunktur sind einfach nicht relevant genug“, meint auch Postbank-Chefvolkswirt Bargel. Zudem müsse sich die US-Notenbank hüten, geldpolitisch Rücksicht auf Länder wie die Türkei zu nehmen. Dieser Staat sei ein abschreckendes Beispiel, wie eine Regierung mit massiven Defiziten im Haushalt und Außenhandel sehenden Auges in die Krise gesteuert sei.

Die neue US-Notenbankchefin Yellen muss bei allem darauf achten, dass ihr das Vermächtnis ihres Vorgängers Bernanke nicht auf die Füße fällt. Denn Bernanke hat die Fed-Bilanz auf rund 4 Billionen Dollar (rund 3 Bill. Euro) aufgebläht und das Finanzsystem mit Liquidität vollgepumpt. Seine Kritiker wurden nicht müde, vor steigender Inflation und neuen Blasen am Aktien- oder Immobilienmarkt zu warnen. Da sich der Aufschwung in den USA festigt, kann Yellen den Fuß weiter vom Gas nehmen und das milliardenschwere konjunkturstützende Anleihekaufprogramm 2014 auslaufen lassen. (APA/Reuters)