Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 01.04.2014


Markt

Tiroler Wirtschaft sagt Grüezi

Die Landesregierung möchte Schweizer Unternehmen den Wirtschaftsraum Tirol schmack-haft machen. Eine Kooperation mit dem Kanton Zürich wurde deshalb abgeschlossen.

Gudrun Hager (Außenhandelscenter) und Harald Gohm (Standortagentur) mit einem Roboter der Schweizer Firma.

© Matthias ReichleGudrun Hager (Außenhandelscenter) und Harald Gohm (Standortagentur) mit einem Roboter der Schweizer Firma.



Von Matthias Reichle

Zürich – „Über’d Grenz luegä“ beschreibt auf Schwizerdütsch, was das Appenzeller Pharmaunternehmen Hänseler seit zwei Jahren macht. Die Schweizer zieht es verstärkt auf den österreichischen Markt – und dafür sucht man nach einem Partner in Tirol, bestätigt Esther Staehli, Leiterin des Business Development.

Kein Einzelfall. Während derzeit vor allem noch über Geld gesprochen wird, das an der Steuer vorbei an eidgenössischen Banken angelegt wird, schauen auch Schweizer Unternehmen über den Tellerrand hinaus – völlig legal versteht sich.

Rund 70 Tiroler Unternehmen sind derzeit mehrheitlich in Schweizer Besitz. Die Standortagentur Tirol möchte das verstärken, Unternehmenskooperationen vermitteln und von wachstumsstarken Regionen profitieren.

Vor wenigen Tagen wurde das schriftlich in einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Kanton Zürich und dem Land Tirol besiegelt. Eine Delegation mit Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf und Standortagentur-Chef Harald Gohm stattete ihren Schweizer Kollegen einen Besuch ab.

LR Patrizia Zoller-Frischauf und Regierungsrat Ernst Stocker unterzeichneten eine Kooperationsvereinbarung.
LR Patrizia Zoller-Frischauf und Regierungsrat Ernst Stocker unterzeichneten eine Kooperationsvereinbarung.
- Matthias Reichle

Locken will man unter anderem mit Technologieförderungen, die es in der Schweiz in dieser Form nicht gäbe, betont Gohm. „Dort hat man dafür interessante Steuermodelle.“

Überzeugen will man aber auch mit Hartnäckigkeit. „Wichtig ist, dass man dranbleibt“, betont Christian Märk. Der Mitarbeiter der Standortagentur ist für den Raum Deutschland-Schweiz verantwortlich. „Unternehmerische Pläne kann man nicht beeinflussen“, betonte er, man könne nur beraten. Hemmschuh seien dabei nicht nur teure Gewerbegründe in Tirol, sondern auch ein Facharbeitermangel.

Zunächst sind vor allem gegenseitige Treffen geplant. Den Anfang machte die Delegation mit einem Besuch in der Flughafenregion Zürich – neun Gemeinden, die sich zu einem Wirtschaftsraum zusammengeschlossen haben. Auf 107.000 Einwohner kamen dort 2012 105.000 Arbeitsplätze.

„Ich glaube, dass beide Seiten von einer Zusammenarbeit profitieren“, betonte der Geschäftsführer der Region, Christoph Lang. Der bekennende Tirol-Fan verwies auf die ähnliche Kultur und Sprache. Bestes Beispiel für den funktionierenden Austausch war dann der Bürgermeister der Mitgliedsgemeinde Wallisellen. Bernhard Krismers Vorfahren waren vor Generationen aus Arzl im Pitztal ausgewandert. Eine Analogie zu Tirol zog Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf dann auch anhand der Flughafenanbindung. Ähnlich wie in Zürich sei diese für Tirol immens wichtig. Auch im Bereich Bildung will sie sich Anleihen aus der Schweiz nehmen. Beeindruckt zeigte sie sich von der Internationalen Schule Zürich Nord mit internationalem Lehrplan und Unterrichtssprache Englisch. Eine Einrichtung, die sie sich auch für Tirol wünsche.