Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.01.2015


Markt

Seilbahner fordern Beitrag zur Pistenbeschneiung

Bergbahnbetreiber fordern, dass sich Gastronomie und Handel an den Kosten für Kunstschnee beteiligen. Die Branchen können dem wenig abgewinnen.

In Österreich laufen die Schneekanonen immer länger.

© TT / Thomas BöhmIn Österreich laufen die Schneekanonen immer länger.



Lech, Innsbruck – Um Touristen perfekte Pistenbedingungen in den Skigebieten garantieren zu können, muss die heimische Seilbahnwirtschaft jährlich Millionen investieren. Geld, das offenbar nicht mehr alle Seilbahnbetreiber selbst aufbringen wollen. Das Vorarlberger Skigebiet Lech Zürs am Arlberg wendet laut eigenen Angaben jährlich rund sechs Mio. Euro für den Kunstschnee auf. Das entspreche etwa 20 Prozent des Umsatzes, sagte der größte Lift- und Bergbahnbetreiber in der Region Lech, Michael Manhart, am Dienstag im ORF-Radio Ö1-Morgenjournal.

Seiner Meinung nach sollten aber auch Hotellerie, Gastronomie und Handel als weitere Nutznießer mitzahlen. Denn eigentlich stünden für eine Modernisierung der Beschneiung in Lech auch weitere Investitionen in Höhe von 20 Mio. Euro an. „Die Orte Lech, Zürs setzen etwa 300 bis 400 Mio. Euro um – die zahlen aber nichts bisher für die Beschneiung“, kritisierte Manhart. Dabei seien die Schneekanonen auch für sie eine Ausfallsicherung.

Manhart äußere damit einen Wunsch, der durchaus auch bei den Tiroler Liftbetreibern bestehe, sagt Mario Stedile-Foradori, Chef der Arlberger Bergbahnen und stellvertretender Obmann der Tiroler Seilbahn-Sparte. „Der Wunsch bestand immer schon. Es wäre auch gerechtfertigt“, so Stedile-Foradori. Die Branchen seien laut dem Liftbetreiber schließlich voneinander abhängig.

Eine Sichtweise, der die angesprochenen Sparten jedoch wenig abgewinnen können. Dass die Handelsunternehmen in Tourismusregionen sich künftig an der Präparation der Skipisten beteiligen, kann sich der Tiroler Geschäftsführer der Sparte Handel in der Tiroler Wirtschaftskammer, Alois Schellhorn, nicht vorstellen: „Als Nächstes fordern Busunternehmen, die Kunden zu Einkaufszentren bringen, von den Betreibern: ‚Zahlt bitte mit.‘“ Schellhorn verweist auf die Tourismussteuer, die Unternehmen in Tirol, aber auch in Vorarlberg bezahlen müssen. „Die Tourismussteuer kommt schließlich dem Tourismus zugute“, sagt der Spartengeschäftsführer. Ähnlich sieht das Siegfried Egger, Mitglied der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. „Bergbahnen sind eigenständige Unternehmen wie jedes andere“, meint Egger. Schließlich müsse jedes Unternehmen für die Kosten von Investitionen selbst aufkommen. Eine dahingehende konkrete Forderung von Tiroler Seilbahnunternehmen sei Egger jedoch bislang nicht bekannt.

Seit dem Jahr 2000 sind nach Angaben der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank in Österreich 1,3 Mrd. Euro in die künstliche Beschneiung investiert worden. In Tirol gibt es laut Wirtschaftskammer 7300 Hektar Skipistenfläche, von denen mehr als 80 Prozent künstlich beschneit werden. Das sind rund 5800 Hektar. Die Erzeugung von Kunstschnee kostet zwischen zwei und vier Euro pro Kubikmeter. Insgesamt gaben Tirols Seilbahnen 2014 rund 65 Mio. Euro für Beschneiung aus. (APA, ecke, TT)