Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 21.06.2015


Tiroler Bauern

„Die Preise sind beschämend“

Geringe Einnahmen, enormer Aufwand: Lohnt es sich überhaupt noch, in Tirol Bauer zu sein? Weitere werden aufgeben, dabei greifen Konsumenten gern auf regionale Produkte zurück.

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Von Michaela Spirk-Paulmichl

Innsbruck – Für einen Liter Milch bekommen Tirols Bauern aktuell 34,94 Cent brutto. „Das ist nicht einmal ein Drittel des Produktpreises“, sagt Josef Hechenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol und selbst Milchbauer. Zwei Drittel des Preises gehen für Verpackung, Vermarktung, Transport und Gewinnspanne des Handels drauf. „Es ist traurig, dass der Inhalt so wenig wert ist.“ Und es sei frustrierend, dass derjenige, der das fertige Produkt ins Regal stellt, gleich viel bekommt wie jener, der das ganze Risiko trägt.

Nur wenigen Konsumenten sei bewusst, dass der Weg zur Milch ein langer sei: Er beginnt mit dem Großziehen des Viehs. Bevor es den ersten Liter Milch produziert, muss es zwei Jahre lang versorgt und gefüttert werden. „Der Bauer braucht ein Wirtschaftsgebäude und die nötige Technik. Er trägt die Kosten für Futter und Tierarzt. Dazu kommen hohe Auflagen, die in anderen Ländern nicht gelten. Hechenberger: „Auf Dauer wird es in Tirol keine Milchproduktion mehr zum Weltmarktpreis geben.“ Viele Bauern gerade in Seitentälern würden die Produktion einstellen. Dabei gebe es viele Möglichkeiten, die heimische Landwirtschaft zu unterstützen, Politik und Gastronomie seien gefordert: „Ich erwarte mir mehr Engagement.“ Derzeit kaufen nur 136 Betriebe nachweislich Tiroler Milchprodukte.

„Der Preiskampf wird härter“, sagt auch Josef Schirmer, Obmann der Tiroler Gemüsebauern. Im Gegensatz zur Milchproduktion, die trotz Auslaufens der europäischen Milchquote zurückging, hat sich die Gemüseproduktion zwar ausgedehnt. Doch die Preise würden seit Jahren stagnieren. „Aber im Vergleich mit dem Milch- oder Fleischbereich – hier sind die Preise beschämend – sind wir gut aufgestellt. Dank der Genussregion und der Konsumenten, die regionale Produkte wollen, geht es uns besser als anderen Sparten.“ Möglich sei das nur durch Saisonarbeiter: „Ohne sie gäbe es in Tirol keinen Gemüseanbau.“

Auch Hermann Kuenz, Obmann der Tiroler Obstbauern, ist mit der Nachfrage zufrieden. Doch die Obstproduktion sei aufwändig, vieles nur mit Handarbeit möglich. Um etwa eine exzellente Qualität der Kirschen zu gewährleisten, müssten die Bäume mit Folien überdacht werden. „Die Kirsche verträgt keinen Regen.“ Überhaupt seien viele Kulturen sehr empfindlich, das Risiko viel höher als in anderen Sparten. „Das sollte sich im Preis widerspiegeln.“

Christian Ruetz vom Tiroler Viehmarketing blickt besorgt in die Zukunft: „Mit den argentinischen Großbauern können wir nicht mithalten. Heimische Qualitätsprodukte sind unsere Chance. Das ist der einzige Weg, Fleisch zu einem guten Preis verkaufen zu können.“ Insgesamt brauche man nichts schönzureden: „Die Marge ist gering. Wenn sich die Landwirtschaft selbst trägt, am Jahresende eine Null herauskommt, sind viele schon zufrieden.“