Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 07.09.2015


Standort Tirol

Bio als Alternative für Bauern

Größte Bio-Metzgerei Westösterreichs wächst jährlich um 15 Prozent. In Tirol gibt es aber nur wenige Züchter von Bio-Schweinen.

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© Juffinger



Innsbruck, Thiersee – Der Verfall der Preise für Milch und Schweinefleisch aus konventioneller Landwirtschaft bringt derzeit viele Bauern an ihre existenzielle Grenze. Milchbauern erhalten derzeit netto für ein Kilo Milch in Österreich zwischen 30 und 33 Cent. Damit ist der Preis im vergangenen halben Jahr um rund ein Viertel eingebrochen. Verantwortlich dafür wird das Ende der Milchquote im heurigen Frühjahr gemacht. Diese hatte über Jahrzehnte die Überproduktion in der EU gedrosselt und die Preise stabilisiert. Zudem erhöhte zuletzt das Einfuhrverbot nach Russland für viele Agrar-Produkte den Druck auf den europäischen Markt. Anton Juffinger, Chef der größten Bio-Metzgerei Westösterreichs, erkennt insbesondere am Fleischmarkt noch einen weiteren Faktor für den Preisverfall: die Marktsättigung.

„Fleisch ist kein Zukunftsmarkt. Die Spitze ist erreicht“, sagt Juffinger. Das bestätigt auch eine Analyse des Konsumverhaltens der Österreicher. Der Pro-Kopf-Fleischverbrauch verringerte sich laut Statistik Austria im Vorjahr leicht von 97,7 auf 97,5 Kilogramm. Der Bio-Metzger ortet einen Trend zum “reduzierten Fleischkonsum mit hohem Qualitätsanspruch“. Hier könne laut Juffinger die Bio-Landwirtschaft ansetzen. In diesem Bereich gebe es noch großes Wachstumspotenzial. Das zeigen auch die Umsatzzahlen der Thierseer Bio-Metzgerei. Im Vorjahr wuchs der Umsatz des Unternehmens, das rund 1000 Tonnen Fleisch verarbeitet, um 15 Prozent auf 5,7 Mio. Euro. Heuer wird mit einem ähnlichen Anstieg gerechnet. Doch während man den Bio-Rindfleischbedarf mit in Tirol aufgezogenen Bio-Rindern decken könne, müsse ein großer Teil des Bio-Schweinefleischs aus anderen Bundesländern kommen. Derzeit gibt es laut Juffinger in Tirol rund 20 Bio-Schweinebauern mit insgesamt 700 Bio-Schweinen. „Das Doppelte würde ich mir wünschen“, erklärt er.

Viele – vor allem Bergbauern – würden jedoch von den höheren Investitionskosten für größere Ställe und teurere Futtermittel abgeschreckt, meint der Metzger, dessen Familie selbst eine Bio-Landwirtschaft betreibt. „Wir sind selbst Bergbauern. Eine Umstellung auf Bio ist also möglich.“ Was jedoch noch fehle, sei die Vernetzung mit Futtermittellieferanten. Futtermittel müssten derzeit teuer aus Ostösterreich zugekauft werden. Zudem müsse die Beratung noch ausgeweitet werden, meint Juffinger. Seiner Ansicht nach würde sich die Umstellung auf Bio-Fleisch auszahlen. Neben dem größeren Tierwohl erhielten Bauern für ein Bio-Schwein einen etwa dreimal höheren Preis als für Schweinefleisch aus konventioneller Haltung.

Auch bei der Milch zahle sich laut Bio-Austria-Obfrau Christina Ritter der Umstieg auf Bio-Milch für viele Bauern aus. Das zeige unter anderem die zuletzt gestiegene Nachfrage der Milchbauern nach Bio-Beratung. Der Milchpreis, den Bauern pro Kilo Bio-Milch erhalten, liegt bis zu 20 Cent über jenem für konventionelle Silomilch. (ecke)