Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.12.2015


Klimawandel

Neue Ideen für den Winterurlaub

Professor rät angesichts von Klimawandel und Gästewünschen zu neuen Winterangeboten.

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Von Max Strozzi

Innsbruck – Niedrig gelegene Skigebiete müssten beginnen, sich neu zu erfinden und neue Winterangebote für Urlauber auszuarbeiten, rät der deutsche Tourismusexperte Thomas Bausch von der Münchner Hochschule für angewandte Wissenschaften. Dies sei dem Klimawandel geschuldet, aber auch dem Wandel in der Einstellung deutscher Gäste – sie stellen mit Abstand den Großteil der Touristen in Tirol – zu ihrem Winterurlaub. Demnach verreisen die Deutschen im Winter heute zwar genauso oft wie noch 1998, jedoch führt die Reise nicht mehr so oft in den Alpenraum. Die Zahl der Winterurlaube der Deutschen in den Alpenraum ging demnach seit 1998 um ein Viertel zurück, Nutznießer sind etwa Schiffsreisen oder Destinationen wie die Kanarischen Inseln. Mit der Folge, dass von 1999 bis 2011 der Tourismus im Alpenraum 4,3 Mio. Winternächtigungen deutscher Gäste einbüßte, führte der Hochschulprofessor im Rahmen einer Diskussion unter dem Titel „Klimawandel und Alpintourismus“ in Innsbruck aus.

Zudem rücke selbst für deutsche Bergurlauber das Skifahren immer mehr in den Hintergrund. Das habe eine Umfrage vom vergangenen Oktober in Deutschland bestätigt. „Bei mehr als der Hälfte jener, die im Winter am Berg urlauben, ist Skifahren nicht mehr der dominierende Urlaubsanlass“, sagte Bausch. Dies bedeute aber lange nicht das Ende des Wintertourismus in den Alpen. Vielmehr sei es eine Chance, denn ein Winterurlaub am Berg sei nach wie vor für viele reizvoll. Er rät aber, nicht zwangsweise mit Skifahren zu werben, sondern Themen wie Gemütlichkeit, Naturerlebnis, Sonne etc. in den Mittelpunkt zu rücken.

Dies sei bereits der Fall, betonte Tirol-Werber Michael Brandl. „Wir werben im Winter je nach Zielgruppe schon jetzt auch mit schneefreien Bildern“, sagte Brandl, der bekannte: „Wir müssen uns auf schneeärmere Winter einstellen.“ Auch der französische Ski-Nobelort Chamonix am Fuße des Mont Blanc stellt sich auf deutlich wärmere Zeiten ein. „Wir legen uns keine zusätzlichen Schneekanonen mehr zu“, erklärte Michel Bouteille, stv. Verwaltungsdirektor der Stadt. Allerdings reicht das Skigebiet auch bis auf fast 4000 Meter Höhe. Dennoch glaubt Bouteille: „Selbst Schneekanonen sind künftig keine Garantie dafür, dass wir im Winter Schnee haben.“

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