Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.12.2015


Exklusiv

Schweden sollen Bergbahnen in St. Johann übernehmen

Dem Skigebietsbetreiber Skistar wurden 68 % der Bergbahnen St. Johann angeboten. Mit den Schweden sollen 50 Mio. Euro investiert werden.

Bergbahnen St. Johann.

© TVB Kitzbüheler AlpenBergbahnen St. Johann.



St. Johann in Tirol – Vor fünf Jahren standen die Bergbahnen St. Johann mit 16 Millionen Euro Schulden vor dem Aus. Seither machten die Gemeinde St. Johann, der TVB Kitzbüheler Alpen und die Gemeinde Oberndorf als größte Gesellschafter (sie halten gemeinsam 91,5 % an den Bahnen) im Rahmen eines Entschuldungsplanes rund vier Millionen Euro locker und schossen es den Bergbahnen zu, um den Schuldenberg zu drücken. Gleichzeitig wurden den Bergbahnen insgesamt 6,3 Mio. Euro an Schulden erlassen, davon alleine durch die Hypo Tirol etwa 5,5 Mio. Euro. Bis Mitte 2014 schrumpfte der Schuldenstand der Bergbahnen dadurch auf rund 4 Mio. Euro. 2014/2015 schrieben die Bahnen laut Bürgermeister Stefan Seiwald 147.000 Euro Gewinn.

Auch die Suche nach einem Partner stand auf dem Sanierungsplan. Nun scheint man sich mit dem schwedischen Skigebietsbetreiber Skistar einig zu sein. Die Schweden sollen 68 Prozent der Bergbahnen St. Johann übernehmen, wie BM Seiwald, gleichzeitig Aufsichtsratschef der Bergbahnen, der TT bestätigte. Konkret läuft der Deal über eine Kapitalerhöhung. So haben die Bergbahnen jüngst in ihrer Generalversammlung eine Erhöhung des Stammkapitals um 10 Mio. Euro beschlossen, die nun die schwedische Ski­star einzahlen soll. Damit übernehmen die Schweden 68 % der Bergbahnen. Die Gemeinde St. Johann würde künftig 13,6 %, der Tourismusverband 11 % und Oberndorf 3,8 % der Anteile an den Bergbahnen halten. Der Rest bleibt in Streubesitz. Der Deal soll laut BM Seiwald „in zwei bis drei Monaten“ unter Dach und Fach sein. „Die Skistar ist der größte Seilbahnunternehmer Europas und auf der Suche nach einer Destination in den Alpen. Und sie haben sich St. Johann als Skigebiet ausgesucht“, schildert BM Seiwald.

Hintergrund der Übernahme ist auch der geplante Bau einer 10er-Gondelbahn vom Eichenhof auf den Harschbichl. Mit den finanzkräftigen Schweden dürfte die nötige Investitionssumme von rund 24 Mio. Euro zu stemmen sein. „Vorgesehen sind weitere 30 Millionen Euro an Investitionen in die Erneuerung bestehender Anlagen“, sagt Seiwald.

Skistar besitzt und betreibt in Schweden und Norwegen insgesamt sechs Skigebiete, u.a. jenes im schwedischen Weltcuport Are. Die in Stockholm börsenotierte Gesellschaft setzte in der Saison 2014/2015 umgerechnet 200 Mio. Euro um. (mas)