Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 18.12.2015


Tirol

Touristiker hoffen auf Schnee: „Wir jammern auf hohem Niveau“

Tirols Tourismushochburgen rüsten für die Weihnachtsferien. Der Schneemangel setzt vielen Regionen zu, Stornos gibt es aber nur vereinzelt, wie ein TT-Rundruf in den Skiregionen zeigt.

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© www.muehlanger.at



Innsbruck – „Mal ganz ehrlich: In den Städten gibt es Weihnachtsmärkte und ein großes Kulturprogramm. Wa­rum soll von da jemand zu uns kommen, wenn kein Schnee liegt?“, fragt Erich Roscher vom Hotel Strass in Mayrhofen. Der mangelnde Schnee, die Lage der Feiertage und die Meldungen über Staus wegen Grenzkontrollen führt der Hotelier als Gründe für eine schlechtere Buchungslage als im Vorjahr an. Von anderen Hoteliers höre er Ähnliches. In seinem Haus seien die Buchungen um gut 20 % zurückgegangen. „Wir jammern natürlich auf hohem Niveau bei 80 Prozent Auslastung“, räumt er ein.

Vor allem aus Deutschland und Osteuropa kämen weniger Gäste. „Bei den Russen sieht es ganz schlecht aus, das war ja schon letztes Jahr ein Problem“, sagt Roscher. Wettgemacht werden die Rückgänge vor allem durch britische Gäste in seinem Haus. Auch TVB-Geschäftsführer Andreas Lackner ortet weniger gefüllte Betten und eine verhaltenere Buchungsintensität zur Weihnachtszeit als im Vorjahr in der Zillertaler Tourismushochburg. Sein Eindruck: „Vor allem die Reisebürogäste lassen nach.“ Laut Lackner sei die Region Mayrhofen-Hippach ab Mitte Jänner bis Anfang April allerdings sehr gut gebucht – sogar besser als letztes Jahr.

So unverblümt wie im Zillertal sprechen die Touristiker in den anderen Tiroler Tourismushochburgen ihre liebe Not mit dem Schnee nicht an. „Zufriedenstellend“ sei die weihnachtliche Buchungslage im Bezirk Lienz, sagt Franz Theurl, Obmann des Tourismusverbandes Osttirol. Die Gästen hätten schon vor längerer Zeit reserviert, die Stornos würden sich in Grenzen halten. Auch im Februar seien die Betten gut gebucht, für den Jänner sei genug Schnee aber entscheidend. In der Wildschönau hingegen schaut es bei den Buchungen über Weihnachten „nicht so gut“ aus, sagt TVB-Chef Thomas Lerch. Für ihn hängt das auch mit der Lage der Feiertage zusammen, die zu Weihnachten nicht optimal wären – in der ersten Jännerwoche und zu Ostern dafür schon. Stornos gebe es „vereinzelt, aber im Prinzip ist der Weihnachtsgast ein treuer Gast“. Beim TVB Wilder Kaiser mit den Orten Ellmau, Söll, Scheffau und Going erhalten die Mitarbeiter derzeit viele Anfragen zum Thema Schnee. „Es geht aber zum Skifahren“, betont Geschäftsführer Lukas Krösslhuber. Stornos gebe es keine, die Buchungen rund um die Feiertage seien gut.

Rund geht es indes im Pillerseetal: Der Zusammenschluss zum Skicircus Saalbach-Hinterglemm-Leogang-Fieberbrunn sorgte dafür, dass sich die Buchungsanfragen über das TVB-System fast verdreifacht hätten, erklärt TVB-Chef Florian Phleps. Auch die Lage der Feiertage trage dazu bei. Trotz Schneemangels geht es in der Region gut zum Skifahren, Stornos sind Phleps noch keine bekannt.

Der Promi-Hotspot Kitzbühel ist derweil sehr gut gebucht, wie TVB-Geschäftsführer Gerhard Walter betont. Die Buchungen würden über dem Vorjahresniveau liegen. Kitzbühel spüre die Schneelage kaum. Auch Stornos gebe es fast keine. Und gut ist die Stimmung auch bei den meisten Oberländer Touristikern: „Bei uns schaut’s gut bis sehr gut aus“, freut sich der Direktor des Ötztal Tourismus, Oliver Schwarz, Stornos gebe es keine. „Über 100 der 145 Pistenkilometer haben wir in Betrieb“, ergänzt der Betriebsleiter der Sölder Bergbahnen, Hansjörg Posch. Dass die Wirtschaft in Deutschland anziehe, spüre man, sagt Schwarz. Beim letztjährigen Rückgang um 30 % bei den russischen Gästen „hoffen wir, dass der Abwärtstrend abreißt. Ein Halten der Zahlen des Vorjahres wäre ein Erfolg.“ Die Schweizer sind die dritte große Säule, auf die Schwarz hofft. Und er meint, anders als Lerch, dass die Weihnachtsfeiertage heuer gut liegen. „Dafür kommt Ostern heuer etwas früher – das könnte ab April Schwierigkeiten bringen“, bemerkt der Tourismus-Direktor.

„Die frühen Ostern“ bereiten auch dem Geschäftsführer des TVB Pitztal, Gerhard Gstettner, Sorgen. Dafür ist aber Weihnachten ebenfalls „gut bis sehr gut“ gebucht. Das berichtet auch der Obmann des Imst Tourismus, Hannes Staggl: „Ab dem 26. Dezember geht es voll los.“ Sorgen bereitet die Schneesituation eigentlich nur in Imst. Die Inversionswetterlage hatte eine Beschneiung im kleinen Skigebiet zuletzt unmöglich gemacht. Nun wird ein Notprogramm angedacht: Ab 24. Dezember können Saisonkartenbesitzer gratis mit dem Alpine Coaster fahren, bis der Skibetrieb losgehen kann.

Ein Profiteur des Schneemangels ist das Stubaital mit seinem Gletscher: „Wir haben viel kurzfristige Buchungen hereinbekommen, es schaut gut aus“, erklärt TVB-Stubai-Chef Roland Volderauer. Auch andere hoch gelegene Tourismusorte wie Ischgl, St. Anton oder Serfaus-Fiss-Ladis sind aufgrund der Buchungslage alle durchaus zuversichtlich für die kommenden Tage, teilte die Tirol Werbung mit, die sich auch umgehört hat.

Die durchwachsene Prognose für die Weihnachtsfeiertage im Tourismus werden auch durch die Zahlen des Reiseveranstalters Eurotours bekräftigt. „Die Buchungen an den Weihnachtsfeiertagen liegen rund ein Prozent unter dem Vorjahr“, sagt Eurotours-Chefin Helga Freund. Die Gäste würden laut Freund nach dem schneearmen Dezember 2014 heuer abwarten. Zuwachse gäbe es vor allem bei Gästen aus der Schweiz, Österreich und Großbritannien. Hingegen seien die Buchungen aus Russland und der Ukraine nach dem Einbruch im Vorjahr heuer erneut zurückgegangen. (ad, co, dd, wo, pascal, veh, aha, wer, ecke)