Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.02.2016


Reutte

Plansee fährt Mitarbeiterstand zurück

In den nächsten zwei Jahren sollen am Standort Breitenwang/Reutte 150 Beschäftigte abgebaut werden.

© Tschol



Von Helmut Mittermayr

Breitenwang – Mit weit über 2300 Mitarbeitern hat Plansee schon länger einen historischen Personalhöchststand am Standort Breitenwang/Reutte vorzuweisen. Der Vorstand will nun an der Schraube drehen und die Zahl zurückdrehen – um 150 Beschäftigte in zwei Jahren. Plansee-Vorstandsvorsitzender Michael Schwarzkopf bestätigt gegenüber der Tiroler Tageszeitung die Marschrichtung. „Das ist kein Geheimnis und wird offen kommuniziert.“

Die Maßnahme sei nur zu einem Teil der konjunkturellen Situation geschuldet. In Teilbereichen, in denen Plansee etwa der Unterhaltungselektronik zuliefert, ist ein Einbruch feststellbar, Produktionslinien sind ausgefallen. „Aber das kann eine temporäre Erscheinung sein und wird vom Konsumenten gesteuert“, sagt Schwarzkopf. Die Umsätze in andere Segmenten wie Werkzeugbau, Automobilindustrie oder Luftfahrt sind laut dem Plansee-Chef „hingegen sehr stabil“. Das Hauptmotiv für die Reduzierung des Mitarbeiterstandes sei die schlichte Größe des jetzigen. „Wir müssen einfach wieder wettbewerbsfähiger werden. Gerade, was weltweite Mitbewerber, etwa aus China, betrifft. Die Verbesserung der Prozesse ist ein Dauerthema. Wir müssen uns neu aufstellen, besser werden. Ganz im Sinnbild eines Marathons, den wir alle zu laufen haben.“ Schwarzkopf glaubt, dass mit den Jahren Strukturen angewachsen sind, die hinterfragt werden müssen.

Allein die jährliche Mitarbeiterfluktuation beim Außerferner Pulvermetallriesen beträgt fünf Prozent – also über 100 Personen. Der Plansee-CEO ist sich daher sicher, die Reduktion ohne größere Verwerfungen über die Bühne zu bringen. „Aber wir überlassen das nicht einfach der Fluktuation, sondern greifen strukturell ein.“ Wie im bald 100-jährigen Unternehmen üblich, sollen begleitende Maßnahmen – wie zum Beispiel Weiterbildungsmöglichkeiten – die Betroffenheit der Ausgestellten abfedern helfen.

Der Mitarbeiterabbau, geplant sind heuer 100 und 2017 weitere 50, werde nicht eindimensional angegangen. Also nicht einfach automatisch ein Einstellungsstopp ausgesprochen, aber natürlich nur noch zwingend notwendige Neuzugänge aufgenommen. Auch werden nicht einfach die Leiharbeiter ausgestellt. „Das Schlankerwerden sowie Ändern der Strukturen und Prozesse wird gezielt angegangen. Wir wissen, was wir tun und vorhaben“, sagt Michael Schwarzkopf. Neben Arbeitern und Leiharbeitern, die etwa durch Ausfall von Produktionslinien betroffen sein könnten, werden auch Angestellte das Unternehmen verlassen müssen.

Gemeinsam mit Personalabteilung und Betriebsrat werden derzeit sozialverträgliche Maßnahmen bei Plansee erarbeitet.