Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 01.03.2016


Standort Tirol

Tiroler Leuchtenriese Eglo peilt halbe Umsatzmilliarde an

Leuchten-Hersteller Eglo legte einen Umsatzsprung auf 441,5 Mio. Euro hin und investiert massiv in sein Werk in Indien. Die LED-Preise sinken weiter.

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© Werlberger



Von Nina Werlberger

Pill – Der Tiroler Leuchtenhersteller Eglo wächst kräftig und peilt im kommenden Jahr die halbe Umsatzmilliarde an. 2015 legte das Unternehmen um 15,7 Prozent oder rund 60 Mio. Euro auf rund 441,5 Mio. Euro zu. „Wir haben ein unglaubliches Jahr hinter uns gebracht, nachdem bereits 2014 ein absolutes Topjahr war“, sagte Eglo-Gründer Ludwig Obwieser im TT-Gespräch.

Europas größter Leuchtenhersteller mit Sitz in Pill ist damit im Vorjahr rund viermal stärker gewachsen als der Gesamtmarkt, der laut Obwieser um 3 bis 4 Prozent zunahm. Auch das Ergebnis sei „hervorragend“, sagte Obwieser, ohne konkrete Gewinnzahlen zu nennen. Heuer werden rund fünf Prozent Umsatzplus angepeilt, 2017 soll dann die 500-Millionen-Euro-Schwelle überschritten werden.

Die Phase der Umstrukturierung sei endgültig abgeschlossen, betonte die Eglo-Führung – heuer sollen alle rund 50 Vertriebsgesellschaften weltweit positiv abschließen. Eglo hatte 2013 nach einer Umsatzdelle den Rotstift angesetzt und mehrere unlukrative Ländergesellschaften neu aufgestellt oder geschlossen. „Die Verschnaufpause hat uns gutgetan. Wir sind mit der Bereinigung komplett durch“, sagte Obwieser. Heuer soll nun wieder in neue Märkte investiert werden – etwa in Süd- und Mittelamerika. Insgesamt sollen 22 Mio. Euro an Investitionen fließen. Der Großteil davon wird in eine kräftige Erweiterung des neuen Produktionsstandorts in Indien gesteckt, wo kürzlich ein neues Grundstück erworben wurde. Eglo produziert seit 2014 außer in China und Ungarn auch in Indien. 2020 will Eglo täglich 100.00 Leuchten herstellen, 40 Prozent davon sollen dann aus Indien kommen, ebenso viele aus China und 20 Prozent aus Ungarn. Eine Diskussion über Löhne in den Ländern scheut Obwieser nicht: „Wir zahlen in China und Indien mehr, als es dort der Standard ist.“

Mit dem Indien-Ausbau soll Eglo unabhängiger von der Produktion in der wirtschaftlich schwächelnden Volksrepublik China werden. Angedacht werden außerdem weitere kleinere Montage- standorte, wie sie Eglo etwa bereits in Mexiko errichtet hat.

Seit Oktober 2015 hat die Eglo Gruppe einen neuen Vorstandschef: René Tiefenbacher, ein langjähriger früherer Eglo-Manager, kehrte ins Unternehmen zurück und kümmert sich nun vor allem um die Strategie. Er steht fünf Geschäftsführern vor. Der Mitarbeiterstand der Gruppe werde von etwa 3400 im Vorjahr auf rund 4000 Beschäftigte im heurigen Jahr ansteigen, sagte Tiefenbacher. In der Zentrale in Pill soll heuer von 250 auf 260 Köpfe aufgestockt werden.

Als Leuchtentrends nennt Eglo u. a. Vintage, Kristall-, und Stoffleuchten. Dazu gesellen sich Leuchten aus Holz­elementen. Beendet wurde inzwischen die Zusammenarbeit mit dem Modeschöpfer Harald Glööckler. In Summe produziert Eglo rund 5000 verschiedene Modelle, inklusive Sonderprodukte für Marken von Kunden. Heuer sind 900 neue Produkte geplant.

Praktisch das gesamte Sortiment enthält inzwischen die Leuchtdioden LED. Bei dem Leuchtmittel sei weiter mit sinkenden Preisen zu rechnen, meinte die Eglo-Spitze. Geforscht wird auch an der organischen Leuchtdiode OLED, für die Eglo vielfältige Anwendungsmöglichkeiten sieht. Zum Einsatz kommen könnte sie ab 2018, massentauglich sei OLED aber wohl erst in zehn Jahren, meinte Obwieser.