Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.07.2016


Bezirk Kitzbühel

Mit Käse, Kräutern und ganz viel Kampfgeist

Vor 30 Jahren rief Wolfgang Obermüller aus Kitzbühel das „Tiroler Bauernstandl“ ins Leben, welches einige Male vor dem Aus stand.

Ein Bild aus längst vergangenen Tagen: Wolfgang Obermüller gründete 1986 das erste "Tiroler Bauernstandl" in Kitzbühel.

© ObermüllerEin Bild aus längst vergangenen Tagen: Wolfgang Obermüller gründete 1986 das erste "Tiroler Bauernstandl" in Kitzbühel.



Von Miriam Hotter

Kitzbühel – Mit ein paar Kräutern, Gemüse, Schafmilchkäse und selbstgebackenem Kuchen hat alles angefangen, wie Wolfgang Obermüller erzählt. Mit „alles“ meint der 53-Jährige das „Tiroler Bauernstandl“. Was vor 30 Jahren mit einem einzigen Verkaufsstand in Kitzbühel angefangen hat, entwickelte sich zu einem der größten Anbieter von Tiroler Bergbauern­produkten für mobile Verkaufsstände. Heute zählt das Franchiseunternehmen rund 50 Produzenten. Beim Franchising gewährt der Konzessionsgeber das Recht, gegen Entgelt sein Geschäftsmodell zu nutzen.

„Ich wollte ein glückliches und sinnerfülltes Leben haben“, erinnert sich Obermüller an das Jahr 1986 zurück. Er dachte, dass er dies am besten als Aussteiger könnte, weshalb er ein „primitives Leben“ auf einem Bauernhof führte. „Ich habe die Prüfung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter gemacht und startete mit dem kontrolliert biologischen Anbau von Gemüse, das ich dann in der Kitzbüheler Innenstadt verkaufte.“

Sein Geschäftsmodell ging auf. Doch mit dem Erfolg tauchten laut Obermüller auch die ersten Neider auf. „Zum Beispiel haben Metzger und Bäcker gefragt: Darf der Obermüller auf einem öffentlichen Platz überhaupt ein Gewerbe betreiben? Sie wollten mich einfach nicht da haben“, erzählt der gebürtige Stuttgarter. In der damaligen ORF-Sendung „Bürgerforum“ mit Michael Motz sprachen sich die Bürger jedoch klar für das „Tiroler Bauernstandl“ aus. Nach der Krise startete Obermüller richtig durch und erzielte einen Umsatz – vornehmlich in Deutschland – von mehr als zehn Millionen Euro.

Doch 2009 ging es wirtschaftlich wieder steil bergab. Grund dafür war der Konkurs des Logistikunternehmens, mit dem Obermüller eng zusammenarbeitete.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Seitdem kämpft sich der Wahl-Tiroler langsam zurück und erobert mit ausgewählten Tiroler Schmankerl den Markt erneut. Mit an Bord ist Hanns-Peter Adami mit dem Unternehmen Tiroler Naturgut. „Die sinkenden Milchpreise und die Debatte um die Agrargemeinschaften haben das Image der Landwirtschaft beeinträchtigt. Mit dem ,Tiroler Bauernstandl‘ gibt es die Möglichkeit, die Bauern wieder positiv zu betrachten“, erklärt Adami und betont zugleich, dass die Vermarktung von nachhaltigen Produkten mehr forciert werden sollte. „Es fehlt aber die landespolitische Weichenstellung. Dass Südtirol 25 Millionen Euro dafür in die Hand genommen hat, sollte uns in Tirol zu denken geben.“

Heinz Gstir, Obmann der Genossenschaft Bioalpin, betont in diesem Zusammenhang, dass es wichtig sei, zwischen „handwerklichem Bio“ und „industriellem Bio“ zu unterscheiden. „Die Sehnsucht nach ehrlichen Produkten ist bei den Kunden sehr stark.“

Sehr stark ist auch Obermüllers Wille, das „Tiroler Bauernstandl“ weiter voranzutreiben. Vor Kurzem konnte er einen Franchise-Partner aus Tschechien an Land ziehen. Die Krisen hat er offensichtlich überwunden. „Und ich bin stärker als zuvor.“

Präsentierten Tiroler Schmankerl (v. l.): Heinz Gstir (Bioalpin), Karin Schützler ("Tiroler Bauernstandl" Deutschland), Hanns-Peter Adami (Tiroler Naturgut), Signe Reisch (Präsidentin des Tourismusverband Kitzbühel) und Wolfgang Obermüller.
Präsentierten Tiroler Schmankerl (v. l.): Heinz Gstir (Bioalpin), Karin Schützler ("Tiroler Bauernstandl" Deutschland), Hanns-Peter Adami (Tiroler Naturgut), Signe Reisch (Präsidentin des Tourismusverband Kitzbühel) und Wolfgang Obermüller.
- Hotter