Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 22.08.2016


Exklusiv

Investor Hauser holt Swarovski und Durst-Eigentümer an Bord

Der Tiroler Computerpionier und Investor Hermann Hauser erweitert sein Tiroler Entrepreneur-Zentrum um prominente Teilhaber und lobt Gründer.

Hermann Hauser.

© Thomas Böhm / TTHermann Hauser.



Von Nina Werlberger

Alpbach – Der Tiroler IT-Investor Hermann Hauser hat sein Investoren-Netzwerk in Tirol um prominente Namen erweitert und lobt die heimische Start-up-Szene über den Klee. Der Wörgler ist Computerpionier, Physiker und Risikokapital-Unternehmer in der britischen Uni-Stadt Cambridge. Vor rund zwei Jahren hat er gemeinsam mit Familienmitgliedern das International Entrepreneurship-Center Tirol, kurz I.E.C.T., ins Leben gerufen, um damit in junge Hochtechnologiefirmen in Österreich und insbesondere auch in Tirol zu investieren.

Inzwischen haben sich Swarovski und der Südtiroler Unternehmer Harald Oberrauch, Eigentümer des Druckerherstellers Durst, an Hausers Gesellschaft beteiligt. Swarovski ist über die Segnal Beteiligungs GmbH engagiert, deren Geschäftsführer Gernot und Markus Langes-Swarovski sind. Harald Oberrauch ist mit seiner „Tyrolean Business Angel GmbH“ eingestiegen. Beide Firmen halten je 2 % an Hausers im Februar gegründeter Managementgesellschaft.

Im Laufe der Zeit sollen etwa 15 Gleichgesinnte ins Boot geholt werden, die gemeinsam ein „Start-up-Ökosystem“ in Tirol aufbauen wollen, erklärte Geschäftsführer Joseph P. Hauser. Er ist Hermann Hausers Cousin und Inhaber der Werbeagentur Spectrum, bei der das Zentrum angesiedelt wurde. Auch Industrie und Unis wolle man einbinden.

Hermann Hauser selbst ist schwer beeindruckt von der Qualität und der Vielzahl der Projekte, die heimische Forscher und Gründer seit dem Start an ihn herangetragen haben. „Ich war ganz von den Socken, dass wir innerhalb eines Jahres 300 Anfragen bekommen haben. Ich bin positiv überrascht, dass das jetzt in Österreich so losgeht“, sagte Hauser im TT-Gespräch in Alp­bach. Dort läuft aktuell die 2. Auflage von Hausers „Summer School on Entrepreneurship“.

In fünf Start-ups hat das Zentrum I.E.C.T. bis dato investiert. Dazu zählen die Immobilien-Suchmaschine „zoomsquare“, die Wohnwünsche mit aktuellen Angeboten abgleicht, und der Lieferdienst byrd, der Waren aller Art abholt, verpackt und dann verschickt. Beides sind junge Wiener Firmen. Bei drei weiteren Projekten seien die Verträge schon unterschrieben, aber das Geschäft noch nicht final abgeschlossen. „Ich erwarte, dass wir pro Jahr vier bis fünf Investments machen und etwa 1 Mio. Euro investieren werden“, sagte Hauser. Gemeinsam mit Partnern seien bislang rund fünf Millionen Euro in heimische Start-ups geflossen, davon eine Million vom I.E.C.T. Partner sind auch die Standortagentur und die Gründerzentren Cast und Werkstätte Wattens (Swarovski).

In England hat Hausers Beteiligungsfirma Amadeus Capital kürzlich den Sprachspezialisten „Vocal IQ“ an Apple verkauft. Damit könnte der iPhone-Konzern seinen Sprachassistenten Siri verbessern. Zum Verkaufspreis machte Hauser keine Angaben. „Vocal IQ“ hat eine Software entwickelt, die Dialoge erkennen und interpretieren kann. Sich mit dem Computer richtig unterhalten zu können – das ist für Hauser eines der großen IT-Zukunftsthemen.

Keine Freude hatte der Investor mit dem spektakulären Verkauf des von ihm mitbegründeten Chip-Entwicklers ARM: Die Firma, deren Technologie heute in fast allen Smartphones und Tablets steckt, ist im Juli überraschend für 29 Mrd. Euro an den japanischen Telekomkonzern SoftBank verkauft worden. 40 % über Wert, wie Hauser bemerkte. Er selbst ist an der Firma schon lange nicht mehr beteiligt, dennoch sorgt er sich um die Zukunft des Chip-Riesen. „Es war eine traurige Sache, dass ARM die Unabhängigkeit verloren hat.“ Hauser hat den ARM-Hersteller Acorn Ende der 70er mit 100 Pfund gegründet, fünf Jahre später war die Firma an der Börse 200 Mio. Pfund wert – Hauser verkaufte sie an Olivetti und machte sein erstes großes Vermögen.

Das Brexit-Votum war für den 67-jährigen Tiroler, der seit seinem Physik-Studium in England lebt, „ein Schock“. „Das Erschütterndste war für mich, in einem Land völlig ohne Europagefühl zu leben“, erzählte Hauser. Auch die vielen Lügen, die rund um das Referendum verbreitet wurden, haben ihn betroffen gemacht. „So etwas habe ich in einem zivilisierten Land noch nie gesehen.“