Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.08.2016


Bezirk Landeck

GKI-Baustelle geht bis 2019 in die Verlängerung

Weil die Hangsicherung bei Ovella aufwändiger war als geplant, muss der Betriebsstart von Ende 2018 auf das 3. Quartal 2019 verschoben werden.

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© Wenzel



Von Helmut Wenzel

Prutz, Ovella – Hochkonjunktur auf der größten Baustelle im Oberland: 450 Mitarbeiter setzen alle Hebel in Bewegung, um das derzeit größte Kraftwerksprojekt Österreichs umzusetzen. Es gibt gute und weniger gute Nachrichten vom Gemeinschaftskraftwerk Inn (GKI). Die für Ende 2018 prognostizierte Fertigstellung und Inbetriebnahme werde sich voraussichtlich auf das 3. Quartal 2019 verzögern. Das hat Klaus Schretter, der die Großbaustelle zwischen Prutz und Ovella koordiniert, am Freitag bestätigt.

„Die Ursache liegt aber nicht im Maschinenschaden der beiden Tunnelbohrer im Stollen von Mariastein“, erläuterte Schretter am Freitag auf einer Baustellen-Exkursion in Prutz. Der Schaden sei bereits behoben. Mit mehrmonatigen Verzögerungen müsse man allerdings am Baulos Ovella (Engadin) rechnen. „Die Hangsicherungen waren dort um einiges aufwändiger als erwartet.“ Probleme habe es auch mit den Bohrpfählen gegeben, die letztlich 45 Meter tief in den Boden getrieben werden mussten, viel tiefer als geplant. Fazit für den GKI-Projektleiter: „Aus heutiger Sicht wird sich die Fertigstellung ins 3. Quartal 2019 verschieben.“

Womit sich auch die Stromproduktion samt Testbetrieb verschieben werde. Den Kostenrahmen für das Gesamtprojekt (461 Mio. Euro) werde man trotzdem halten können, hob der Koordinator hervor.

Lokalaugenschein gestern Freitag am Baulos Prutz: Die Facharbeiter im 106 Meter tiefen Wasserschloss müssen schwindelfrei sein. Die Männer fahren im Aufzugskorb senkrecht hinab – sie sind mit der Auskleidung des Stollens beschäftigt. In einer unterirdischen Manipulationshalle, größer als ein Turnsaal, werden mehr als 30 Riesenstahlrohre in den Schrägschacht gehievt. Das ist Millimeterarbeit. Jedes der Rohre ist 30 Tonnen schwer, 14 Meter lang und 25 Millimeter dick. Sie werden mit 31 Prozent Neigung installiert und zusammengeschweißt. „Um eine Naht zu schweißen, brauche ich 30 Stunden“, verrät ein ungarischer Facharbeiter.

Herzstück der Stromproduktion sind je zwei 40 Tonnen schwere Stahlschnecken, Francis-Turbinen, Generatoren und Transformatoren. Die Schnecken, die das Triebwasser zu den Turbinen führen, werden am 31. August einbetoniert. Bis dahin verlegen Arbeiter rund 80 Tonnen Stahl im Umfeld. Zur Abstimmung der Temperatur von Beton und Stahl wird ein eigenes Kühlsystem eingesetzt.

Ein Spezialist hat die Position der Stahlschnecken mit einem Laser-Gerät überprüft. „Abweichungen darf es nur im Bereich von Zehntel-Millimetern geben“, verrät der Mann. Großen Aufwand erfordert laut Schretter auch der Bau des Auslaufkanals. Dort wird das Wasser unterirdisch in den Inn zurückgeführt.