Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 01.12.2016


Bezirk Landeck

„Mitarbeiter mit Tricks benachteiligt“

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© Wenzel



Landeck – Ein junger Mann habe ihn nach Abschluss der Bäckerlehre gebeten, die Lohnzettel zu überprüfen, schilderte Bezirksstellenleiter Peter Comina am Mittwoch beim Landeck-Besuch von Tirols AK-Präsident Erwin Zangerl. „Er hat täglich neun Stunden gearbeitet, also 45 Wochenstunden. Wir haben festgestellt, dass er unter dem Kollektivvertrag entlohnt wurde. Die Abgeltung der Überstunden sowie die Nachtzuschläge haben gefehlt.“

Mit den Vorwürfen konfrontiert habe der Dienstgeber die Sache an seinen Steuerberater weitergeleitet. „Dann ist eine Nachzahlung an den ehemaligen Lehrling gekommen. Aber nur für vier Monate“, weiß Comina. „Für die übrigen Monate sind die Ansprüche verfallen“, hat uns der Steuerberater erklärt. Folglich hätte der betroffene junge Mann monatlich einen Brief mit der Nachforderung an den Dienstgeber schicken müssen, so die Schlussfolgerung der Arbeitnehmervertreter. Die „Verfallsbestimmungen“ seien „leider im Kollektivvertrag fixiert“.

„Wir sind der Meinung, die Ansprüche der Dienstnehmer dürfen nicht verfallen“, hoben Zangerl und Comina hervor. „Leider gibt es diesen Missstand auch in anderen Branchen. Da sind nicht nur die gesetzlichen Bestimmungen nicht in Ordnung. Es fehlt vor allem an der Wertschätzung der Dienstgeber gegenüber dem Dienstnehmer.“

In Zusammenhang mit der Lohnsteuerreform gebe es laut Zangerl im Bezirk Land­eck eine große Verlierergruppe: „Zahlreiche touristische Dienstgeber machen mit den Mitarbeitern einen Nettolohn aus. Aber 1500 Euro netto sind nach der Steuerreform 1500 netto gebleiben.“ Der Dienstgeber erspare sich somit Kosten beim Bruttolohn. „Also handelt es sich um eine Subvention der Tourismusbetriebe“, kritisierte der AK-Präsident, „Mitarbeiter hingegen werden mit derartigen Tricks benachteiligt.“ (hwe)