Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 20.02.2017


Standort Tirol

Mehr Bio aus Tirol, aber Druck steigt

Die wachsende Zahl an Bio-Marken macht es für kleine Produzenten schwieriger, sich von der Masse abzuheben. Bio aus Tirol schaffte dennoch deutliche Umsatzsteigerungen. Förderungen in Innovation gefordert.

Die Tiroler Bio-Marken wie Biologon aus Itter oder Bio vom Berg setzten bei der Biofach-Messe bei der Produktpräsentation auf die Ursprünglichkeit der heimischen Landwirtschaft.

© EckeriederDie Tiroler Bio-Marken wie Biologon aus Itter oder Bio vom Berg setzten bei der Biofach-Messe bei der Produktpräsentation auf die Ursprünglichkeit der heimischen Landwirtschaft.



Von Stefan Eckerieder

Nürnberg, Innsbruck – Fertigprodukte, Beautycremes, Gewürzmischungen, Getränk­e, vegane Würstchen und vieles mehr: Das Angebot auf der Biofach-Messe in Nürnberg ist riesig. Rund 2500 Aussteller priesen auf der am vergangenen Wochenende zu Ende gegangenen größten Bio-Messe Europas ihre Produkte an. Dazwischen auch rund ein Dutzend Anbieter aus Tirol. Die Masse der Aussteller zeigt, dass es auch im Bio-Bereich immer schwieriger wird, sich mit dem eigenen Produkt abzuheben.

Die großen Bio-Marken wie Alnatura oder Eigenmarken der Einzelhandelsketten glänzten zwar mit Abwesenheit, dennoch waren sie Gesprächsthema unter den Messeausstellern. Auch sie verkaufen ihre Produkte mit dem Bild des naturverbundenen Biobauern, mit kleiner Produktion. Auch wenn viele von ihnen im ganz großen Stil produzieren. „Das kommt immer mehr und die drücken auf die Preise“, sagt Anton Juffinger im Gespräch mit der TT. Der größte Bio-Metzger Westösterreichs aus Thiersee sieht in dieser Entwicklung „die große Herausforderung“ für die kleinstrukturierte Produktion. Diese Entwicklung mache zwar Bio für eine breite Konsumentenschicht leistbar, berge aber auch die Gefahr, dass die Erträge für die Hersteller sinken und die Bio-Produktion künftig für weniger Betriebe interessant sein könnte.

Zuletzt gab es einen deutlichen Ansteig bei der Bio-Produktion in Österreich. Laut neuesten Zahlen des Bio-Verbandes Bio Austria wird mittlerweile auf 22 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Österreich bio produziert. Alleine in Tirol gibt es heuer 2293 Biobauern. Die Preiskris­e bei konventioneller Milch und Schweinefleisch ließ viele Bauern auf die lukrativere Bio-Produktion umsteigen. So erhalten Landwirte für einen Liter gentechnikfreier Milch gut 30 Cent pro Liter, für Bio-Milch rund ein Drittel mehr. Juffinger zahlt laut eigenen Angaben für den Kilo Schweinefleisch aus biologischer Produktion fast den dreimal so hohen Kilopreis, wie der Erzeuger auf dem konventionellen Markt erhalten würde.

Die wachsende Konkurrenz macht es, dass das Etikett „Bio“ alleine auf der Verpackung als Verkaufsargument nicht mehr reicht, erklären die Tiroler Produzenten. Viele exportieren einen erheblichen Teil ihrer Waren. Ihre Strategie ist es einerseits, das Image der kleinstrukturierten Landwirtschaft, andererseits die Tiroler Natur mitzuverkaufen. „Tirol weckt Sehnsüchte. Es gibt viele bewusste Konsumenten, die den für uns so wichtigen kleinen Betrieb erhalten wollen und bereit sind, dafür auch etwas mehr zu bezahlen“, sagt Björn Rasmus, Geschäftsführer von Bio vom Berg. Die Tiroler Bio-Genossenschaft ist dafür bekannt, hohe Preise an die rund 500 Tiroler Zulieferer zu bezahlen.

Neben Österreich sind die Hauptabsatzmärkte für die Tiroler Bio-Produkte deshalb vor allem die Nachbarländer, aus denen auch die meisten Urlauber nach Tirol kommen. Allen voran Deutschland vor Italien, aber auch in Frankreich und Holland setzen sie ihre Produkte ab. Beide Unternehmen sind zuletzt stark gewachsen. Bio vom Berg erwirtschaftete 2016 rund 8,7 Mio. Euro Umsatz. „Der Umsatz hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt“, sagt Rasmus.

Auf dem Milchmarkt sieht er für Bio-Produzenten noch Potenzial durch Spezialisierung und Innovation. Er würde es deshalb begrüßen, wenn sich die Förderstruktur der Landwirtschaft stärker auf Innovationen statt auf Größe beziehen würde. „Förderungen sollten meiner Meinung nach in innovative Projekte fließen“, sagt Rasmus. Zudem fordert er eine stärkere Professionalisierung in der Vermarktung. „Wir müssen uns des Schatzes des Kleinstrukturierten mehr bewusst sein und uns stärker positionieren.“

Noch ist nicht absehbar, wann die Wachstumsgrenze für Bio-Produkte erreicht sein wird. Bio aus Tirol genieße weltweit hohes Vertrauen und sei deshalb auch im Stande, weiter höhere Preise zu verlangen, erklärt Christina Ritter von Bio Austria. Die Tiroler Bio-Genossenschaften wünschen sich deshalb, dass weitere Landwirte auf biologischen Anbau umsteigen.

- Eckerieder