Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 16.03.2017


Standort Tirol

Tiroler tüfteln an Buchung über Sprachsteuerung

Die Standortagentur unterstützte im Vorjahr 26 Unternehmen bei ihrer Ansiedelung in Tirol, überwiegend aus der Digitalisierungsbranche.

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© Standortagentur Tirol



Von Beate Troger

Innsbruck – Den gesamten Haushalt, vom Kühlschrank bis zur Zahnbürste, online zu vernetzen, Gesundheitsdaten zu verwalten oder ohne Computer, Tablet oder Smartphone im Internet einzukaufen oder gar Reisen zu buchen, ist derzeit für die durchschnittlichen Privatpersonen utopische Zukunftsmusik. Doch geht es nach den beiden Tirolern Eva-Maria Hänel und Matthias Dengg, Geschäftsführer der frisch im Land angesiedelten Speed U Up GmbH, soll noch heuer ein Prototyp Urlaubsbuchungen alleine über Sprachsteuerung ermöglichen. „Sprachassistenten sind die Zukunft“, erläutert Hänel, „man wird künftig im wahrsten Sinne ohne einen Finger zu rühren große Bereiche seines Lebens digital steuern.“ Um diese komplexen Prozesse zu steuern, benötige man vor allem „Daten als Futter für die Strukturen“. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der in München ansässigen Kapthon AG, die sich auf Vertrieb und Vermarktung im Onlinebereich spezialisiert hat und mit Speed U Up vor allem für die Tourismusbranche Lösungen anbietet.

Wie Kapthon-Vorstand Sven Thönes berichtet, habe sein Unternehmen schon länger geplant, im Tourismus hierzulande Fuß zu fassen, doch das sei aufgrund von „Mentalitätsproblemen“ und mangelnden Kontakten stets gescheitert. Seit die Tiroler Tochter sich in Innsbruck niedergelassen hat und zwei Tiroler die Geschäftsführung übernommen haben, läuft das Business. Schon jetzt sind die Tourismusverbände von Seefeld und Fügen im Zillertal mit an Bord, um sich für die digitale Buchungswelt der Zukunft zu rüsten.

Speed U Up ist neben dem Bergsportausrüster Black Diamond die bedeutendste Neuansiedelung von Unternehmen in Tirol im vergangenen Jahr. Im Mai 2016 hat die US-Firma ihre Europazentrale von der Schweiz nach Innsbruck verlegt und beschäftigt mittlerweile 35 Mitarbeiter.

Insgesamt haben sich im Vorjahr 26 Betriebe neu in Tirol niedergelassen, nach 23 im Jahr 2015 entspricht das einem neuen Rekord. Die Unternehmen investierten dafür insgesamt 13 Mio. Euro und kündigten an, bis 2018 179 Arbeitsplätze zu schaffen, berichtet Harald Gohm, Geschäftsführer der Standort­agentur Tirol. 36 Prozent der Firmen arbeiten im digitalen Bereich, 23 Prozent sind Start-ups. Künftig wolle man stärker direkt vor Ort Tirol als Unternehmenssitz für Gründer oder Auslandstöchter etablierter Firmen bewerben. „Die Wirtschaft entwickelt sich sehr gut“, sagt Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf, und das spiegle sich auch in den Ansiedelungen wieder. Mit einem prognostizierten Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent werde Tirol heuer über dem Bundesschnitt zulegen, so Zoller-Frischauf.