Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.06.2017


Bezirk Imst

Trotz Frostberegnung ist der Schaden für Obstbauern enorm

Die Obstbauern müssen bereits das zweite Jahr hintereinander saftige Ernteeinbußen hinnehmen. Obstlager schätzt Minus auf 600.000 €.

Reinhold Senn konnte in Nassereith nahezu alle Blüten retten.

© DaumReinhold Senn konnte in Nassereith nahezu alle Blüten retten.



Von Hubert Daum

Haiming, Nassereith – Bisher konnte man nur spekulieren, wie viele Obstblüten die Frostnächte im April vernichtet hatten. Nun ist es sichtbar: Von einer durchschnittlichen Ernte ist man weit entfernt. „Normalerweise sind jetzt pro Baum zirka 80 kleine grüne Bällchen dran“, zeigt der Haiminger Obstbauer Rudi Wammes auf einen seiner Apfelbäume, die auf zwölf Hektar verteilt sind, „da fehlt’s grob. Ich schätze einen Ernteverlust von rund der Hälfte. Die Birnen sind sowieso Totalausfall.“ Ihn und seine Kollegen traf die Frostkeule bereits zum zweiten Mal hintereinander. Diesmal jedoch schlimmer: „Für mich bedeutet dies einen Umsatzverlust in der Größenordnung von 50- bis 60.000 Euro.“

2016 beklagte Wammes „nur“ 20 Prozent Ausfall. Natürlich nur bei jenen Bäumen (und das ist der überwiegende Teil), die mit einer Frostberegnung ausgestattet sind. Dass dies auch nicht das Allheilmittel darstellt, wurde heuer sichtbar. Wammes: „Minus sechs Grad sind auch bei Beregnung kritisch.“ Das System funktioniere überdies nur bei einer dauerhaften Besprühung. Und die sei nicht immer flächendeckend gegeben, weil gegen Ende der Wasserleitungen der Druck abfällt. Der Druck auf die Obstbauern nimmt allerdings zu, denn dass alle grünen Bällchen zu prachtvollen Äpfeln reifen, ist unrealistisch. Wammes: „Zum einen haben wir wieder die Sägewespe zu Besuch, zum anderen bleiben bei einem gewissen Teil Frostspuren auf den Früchten. Diese können oft nur als Apfelsaft verwertet werden.“

Die Frostauswirkungen sind auch sortenspezifisch: Hier findet Rudi Wamme­s (o.) einen Apfelbaum, der recht zufriedenstellend aussieht.
Die Frostauswirkungen sind auch sortenspezifisch: Hier findet Rudi Wamme­s (o.) einen Apfelbaum, der recht zufriedenstellend aussieht.
- Daum

Nicht so groß sind die Sorgenfalten beim Imster Obstbauern Reinhold Senn. Er konnte die meisten Blüten seiner 1200 Apfelbäume retten, speziell auf seiner Hauptplantage in Nassereith. Senn: „Ich habe eine eigene, gut funktionierende Wasserleitung für die Frostberegnung. Die Birnen sind allerdings alle hin.“

Mit einem blauen Auge werden diejenigen davonkommen, die eine Versicherung gegen Frostschäden abgeschlossen haben. Das sind laut Clemens Beck, Beauftragter in der Landwirtschaftskammer, rund 70 Prozent in Tirol. Die Experten der Hagelversicherung sehen sich unmittelbar nach den Frostnächten die Plantagen an und prognostizieren den Ertrag, den es ohne Frostereignis gegeben hätte. „Vor der Ernte sehen wir uns das nochmals an“, erläutert Norbert Jordan von der Hagelversicherung, „so können wir ziemlich exakt den Ausfall feststellen und die Bauern entschädigen.“

Dem Haiminger Obstlager, das an normalen Jahren rund 1,5 Mio. Kilogramm Äpfel aus dem Oberinntal und Osttirol vermarktet, nützt dies freilich nichts. GF Alexandra Harrasser: „Im Raum Inzing und in den südlichen Haiminger Lagen ist der Schaden besonders groß. Ich rechne mit einem Umsatzverlust von bis zu 70 Prozent, wie im Vorjahr.“ Es sei zwar europaweit ein höherer Preis zu erwarten, trotzdem schätzt Harrasser die Umsatzeinbuße auf bis zu 600.000 Euro.




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