Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 03.07.2017


Osttirol

Asslinger Stromkunden haben billigsten Tarif Tirols

Das Elektrowerk Assling feiert sein 90-jähriges Bestehen. Wasser- und Sonnenkraft ermöglichen der Gemeinde Energie-Unabhängigkeit.

Die neue Turbine erzeugt bei gleicher Wassermenge zwanzig Prozent mehr Strom.

© BlassnigDie neue Turbine erzeugt bei gleicher Wassermenge zwanzig Prozent mehr Strom.



Von Christoph Blassnig

Assling – Insgesamt 800 Stromkunden zählt die Gemeinde Assling. Zur Energieversorgung betreibt die Asslinger Elektrowerk-Genossenschaft ein eigenes Leitungsnetz von 100 Kilometern Länge mit 34 Trafostationen. 188 Bauern teilen sich den Gemeinschaftsbesitz. Ein sechsköpfiger Vorstand samt Aufsichtsrat lenkt die Geschicke. Geschäftsführer Harald Stocker und Betriebsleiter Konrad Jungmann stehen zwölf Mitarbeitern vor. Und man betont gerne, den eigenen Bürgern den niedrigsten Strompreis in Tirol anbieten zu können. Den ermöglicht inzwischen auch der größte Photovoltaik-Park Tirols. Vier Großanlagen zu je 500 Kilowatt Leistung aus Sonnenenergie wurden im Jahr 2013 in Betrieb genommen.

Kürzlich wurde zur Segnung des erweiterten Betriebsgebäudes und des Krafthauses der Stufe 1 in Oberthal geladen. Eine neue fünfdüsige vertikale Turbine gewinnt mit 970 Kilowatt 20 Prozent mehr Strom aus der gleichen Wassermenge. Die Abwärme heizt das Gebäude, in dem sich auch Technikräume, Schaltanlage, eine Werkstätte und die Verwaltung befinden.

Das neu errichtete Hauptgebäude in Oberthal bietet heute 900 Quadratmeter Nutzfläche.
Das neu errichtete Hauptgebäude in Oberthal bietet heute 900 Quadratmeter Nutzfläche.
- Blassnig

LHStv. Josef Geisler gratulierte den Asslingern zu „Weitblick und Unabhängigkeit“. Die Wasserkraftnutzung habe in Tirol nach wie vor einen schweren Stand. „Wir müssen den Boden bereiten für die Energieerzeugung aus unseren vorhandenen Ressourcen“, formulierte Geisler. Neben Effizienzsteigerungen und der Senkung des Verbrauches sei der Bau neuer Wasserkraftwerke die Voraussetzung für ein selbstversorgendes Land Tirol im Jahr 2050. „Wer das nicht sagt, sagt die Unwahrheit.“ Geisler lobte die Asslinger auch als Komplettanbieter von der Installation bis zum Verkauf von Elektrogeräten: „So gelangen Wissen und technische Neuerungen in die ländlichen Regionen.“ Die Verlegung von Lichtwellenleitern für schnelles Internet sei ein weiterer Baustein auf diesem Weg.

Für den Raiffeisenverband sprach Hermann Kuenz den Asslingern großes Lob aus: „Das Elektrowerk ist ein Diamant im Konzert unserer Genossenschaften. Es steht für Innovation und wirtschaftlichen Erfolg.“ Heute zeige sich, dass es der richtige Weg war, die eigenen Stromnetze nicht abzugeben.

Eine Karte verdeutlicht das weit verzweigte Leitungsnetz auf Asslinger Gemeindegebiet.
Eine Karte verdeutlicht das weit verzweigte Leitungsnetz auf Asslinger Gemeindegebiet.
- Blassnig

Gemeindevorstand Reinhard Mair bezeichnete das Elektrowerk Assling als „souveränen Partner in den letzten neunzig Jahren“, der nicht zuletzt als Arbeitgeber in der eigenen Gemeinde verwurzelt sei. Die Bürger profitierten, wenn es um jede Form der Beratung gehe: „Von der Wärmepumpe über eigene Photovoltaik bis hin zum Einspeisetarif für den Überertra­g.“

2,7 Millionen Euro wurden in den letzten drei Jahren am Standort in Oberthal investiert. Weitere Wasserkraftwerke der Genossenschaft laufen in Thal, in Mittewald und seit 2005 am Thaler Bach. Die erste Anlage mit einer Leistung von 100 PS haben Vordenker im Jahr 1927 errichtet.